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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Was für ein großes Match und mit welcher Grandezza haben wir verloren…

Bin wieder für ein paar Tage in dem einsamen Waldhaus meiner Ex zum Katzen hüten und theoretisch auch zum Blumen wässern, was aber auf Grund der Witterung nicht nötig ist.
Gestern Morgen, als die Sonne den Garten und die Bäume in einem überirdischen, spätsommerlichen Glanz erstrahlen ließ, machte ich mich sofort auf nach Winnerod, um 9 Loch zu spielen, bevor es wieder aus Eimern schütten würde. Perfektes Timing.
Ich konnte in einer Lücke raus, die nach dem Turnier der Jungsenioren und einer Reisegruppe, die diverse Startzeiten geblockt hatte, im Computer nicht zu sehen war und spielte gar nicht so schlecht in Anbetracht der Tatsache, dass ich in dieser Saison kaum gespielt und noch weniger trainiert habe.
Am Halfway-House trank ich einen Kaffee, als zwei Spieler mit einem Cart auftauchten. Natürlich sprachen wir über den Ryder Cup und einer meinte, das müsse man jedem Nichtgolfer zeigen, DIESE STIMMUNG! Da könne man sehen, dass Golf kein langweiliger Sport wäre. Ich hielt dagegen. Ich habe bei den OPEN in England und Schottland mehrfach erlebt, wie gigantisch die Stimmung bei Golfturnieren sein kann. Prima. Aber an sich ist Golf ein stiller Sport – oder sollte es zumindest sein und bleiben.
Bei Schachturnieren gibt es auch keine Partymeile und Golf ist eine Art Rasenschach, ein Spiel, das Ruhe und Konzentration erfordert.
Aber: Natürlich ist der Ryder Cup als Kontinentalwettstreit etwas ganz Anderes. Wenn sich Fachleute nun fragen, ob das Match Mickelson gegen Garcia das größte Match war, da je in einem Ryder Cup ausgespielt wurde, dann mag diese Frage nicht nur vom Score berechtigt sein. Es war eine unglaubliche geistige Leistung bei all diesen 'In the hole'-Brüllbacken im Flow zu bleiben und was gestern an Putts gelocht wurde, war schier überirdisch.
Wenn sich die Golfmeister unserer Tage miteinander messen, dann geht es längst nicht nur um Schwung und spielerische Finesse. Vor allem zählt die Fähigkeit zu jener vollkommenen Konzentration, für die Ben Hogan einst berühmt war. Bei den Amateurgolfern schaffen das höchstens einige Hauptschullehrer deren Synapsen verödet sind und keine Signale mehr weiterleiten – mir und den meisten, die ich kenne, ist die wunderbare Gabe der vollkommen inneren Stille nicht gegeben. Folglich lege ich Wert darauf, dass ich mein Spiel in Ruhe ausüben kann. Der Krach, den das Knistern meiner Nervenstränge beim Putten verursacht, reicht mir vollkommen aus. Deshalb brauche ich kein Golf im Schwimmbad, in der Innenstadt, als Fun- und Action- Abenteuer oder was sonst so im Gespräch ist.

Ich habe etliche Texte darüber verfasst, warum die Golfclubs und der Verband eine „Modernisierung“ anstreben. Ich möchte mich dazu jetzt nicht wiederholen, nur soviel sei nur gesagt: Man hat sich verzockt, verplant, den Markt falsch eingeschätzt und jetzt hat man das große Muffensausen. „Das beste Clubmitglied ist jenes, das am Jahresanfang seinen Beitrag überweist und sich dann das ganze Jahr nicht mehr blicken lässt“, sagte jemand bei der letzten DGV-Jahreshauptversammlung, die ich besucht habe. Wirklich geändert in der Denke vieler hat sich nichts. Alle Intentionen mancher Clubs und des DGV Golf populärer zu machen, haben allein wirtschaftliche Gründe. Ist leider so. Man sieht das an den Clubs, die es nicht nötig haben und deshalb nach wie vor ihre Abschottungspolitik betreiben. Und man sieht es daran, dass gewisse Zombies aus den Landesverbänden nach wie vor ihr Clubfreien- und VCG-Bashing betreiben dürfen.

Golf ist ein Spiel für Körper, Geist und Seele und die „Stimmung“ beim Ryder Cup und Major-Turnieren wäre nichts, was ich unserem Sport im Alltag wünschen würde.

In diesem Konflikt stehen auch die Sky-Kommentatoren. Sollen sie nun sachlich kommentieren und myskow’sche Begeisterung verbreiten? Nachdem man Irek das „Wahnsinn“- Brüllen weitgehend abgewöhnt hat, ist nun Grosser dem ‚Wahnsinn‘ verfallen, wobei sowohl seine ‚Begeisterung‘ als auch seine Versuche der besinnlichen Selbstreflektion im Netz sehr kontrovers kommentiert wurden. (Für mich wäre das Problem gelöst, wenn ich auf englische Sprachausgabe umschalten könnte…).

Jedenfalls – jetzt ist wieder Ruhe im Waldhaus und hoffentlich auch auf dem Platz. Fasziniert beobachte ich bei meinem Versuch der besinnlichen Selbstreflektion, wie ich als ehemaliger Bilderstürmer der deutschen Golf-Szene ziemlich wertkonservativ geworden bin.
Das hängt vermutlich damit zusammen, dass das, was im „Weg der weißen Kugel“ vor 20 Jahren als bissige Satire und bösartige Überzeichnung des Golfsports in Deutschland angesehen wurde, mittlerweile bittere Realität geworden ist (weshalb Golfneulinge und jüngere Leser meine Satire überhaupt nicht mehr Satire verstehen können).

Immerhin: In „Anmerkungen für Golfreisende“ habe ich mich z.B. in den Kapiteln „Relaxed Rules“ und „Mulligan-Prinzip“ durchaus für Modifikationen der Spiel-und Zählweisen ausgesprochen, solange sie der Spielbeschleunigung auf Privatrunden dienen.

Apropos: Die ersten Bestellungen meiner „Anmerkungen“ sind bei BOD eingegangen, vielen Dank!

Wer meinen Blog zu diesem Buch nicht gelesen hat, dem sei noch mal gesagt: Ich hoffe Euch, liebe LeserInnen...

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

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