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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Erst war es in diesem Jahr zu kalt, dann zu nass und jetzt ist es zu heiß, weshalb ich wie ein Maulwurf in einer abgedunkelten Höhle hause und mir allein der Gedanke an eine Runde Golf Schweißausbrüche verursacht…

Nee, nee: Hitze vertrage ich nicht mehr. Ich habe Hitze noch nie gut abgekonnt, aber seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Sonne mit ihrer Intensität einen Zahn zugelegt hat. Vielleicht ist es das Alter, aber ich meine, die Sonne wäre irgendwie bissiger geworden.

Das erste Mal, dass mich Hitze fast gekillt hätte, war vor ein paar Jahren, als die Canadian Open bei Montreal stattfand. Schon der kurze Weg vom Pressezelt zur nächsten Getränkebude war eine Tortur, auch mit nassem Handtuch und Eiswürfeln unter der Kappe. Cejka spielte in dieser Hölle vier Tage lang, ein harter Knochen, dem ich größten Respekt entgegenbringe, selbst wenn meine Bemerkungen zu Rio vielleicht anders verstanden wurden.

Manche Leser hatten mit Verwunderung registriert, dass ich nach drei Jahren Abstinenz erneut begonnen habe, manche Meldungen des DGV auf Cybergolf/news zu posten, zumindest was die Final Four-Turnierserie, Ergebnisse der Jugend und Rio angeht. Da ich selbst keine Golf-Berichterstattung mache, stelle ich deren Texte hin und wieder ins Netz.

Und manchmal reibe ich mir dabei die Augen, wenn ich sehe, wie es der Pressestelle gelingt, das Glas stets mehr als halbvoll zu sehen. Das ist ja eigentlich schön – nur kommt mir bei all den „schönen Erfahrungen und tollen Erlebnissen“ in Rio die kritische Reflektion etwas zu kurz. Weil ich niemandem den Spaß verderben wollte, kommentierte ich die Meldung: ‚Rückblick Rio: Ein einmaliges, wunderbares, sportliches Erlebnis!‘ auf meiner Facebook-Seite nur mit dem Vermerk: „Ich sag da mal besser nix zu...ep“.
Prompt fing ich mir einen Rüffel von Brian ein, der schrieb: ep....one day you'll say something positive...maybe“.
Was denn? Mache ich alles schlecht und schreibe nur Negatives?

Jahrelang habe ich 'ehrenamtlich' Meldungen eines Verbandes veröffentlicht, mit dem ich in vielen Bereichen keinen Konsens habe und die waren zu 95% unkommentiert!

Auch diesmal habe ich nix gesagt, obwohl ich meine, dass der ‚olympische Gedanke‘ nach Rio etwas überstrapaziert wird. Oder nicht? Hätten unsere Spieler ganz am Ende des Leaderboards gestanden, hätte man vermutlich den Bundesgauckler zitiert und uns damit getröstet, dass unsere Spieler nicht gedoped waren. Natürlich kann man alles positiv sehen und sich, wie ich letzte Woche schrieb, darüber freuen, dass niemand vom Krokodil gebissen wurde...aber bringt uns das weiter?

Jeder weiß, dass ein Profi-Golfturnier von mindestens 50 Teilnehmern gewonnen werden kann. Da könnte Kaymer durchaus dabei sein, wenn er mal wieder seine Tage hat und alles flutscht. Doch diesmal haben wir Mittelfeld-Leistungen geliefert und Mittelfeld-Ergebnisse bekommen. Das Ziel, besondere Akzente pro Golf zu setzen, wurde damit leider nicht erreicht. Falsch?

Auch wenn es TV-Auswertungen geben mag, die anderes besagen, glaube ich nicht, dass Golf in Rio viel für den 'Breitensport' gebracht hat. Ich habe die Übertragungen teilweise verfolgt, viele Golfer, die ich kenne, haben sie überhaupt nicht verfolgt – und Nichtgolfer? Die hätten sich das vielleicht angeschaut, wenn man Medaillenchancen gewittert hätte, aber so?
Andere Disziplinen der Deutsche Olympiamannschaft wurden trotz vieler Goldmedaillen kritisch und selbstkritisch reflektiert, nur im Golfsport scheint das nicht erwünscht zu sein – zumindest nicht in der Öffentlichkeit.

Außerdem: Golf kann erst Breitensport werden, wenn gewisse Clubs endlich damit aufhören, Spieler mit einem DGV-Ausweis ohne Gold-Logo abzuweisen bzw. wie Golfer zweiter Klasse zu behandeln! Basta.

Anderes Thema:


Cybergolf veröffentlicht seit etlichen Jahren Meldungen der Shivas Irons Society, seit wann ich da als Member geführt werde (und ob ich es noch bin) weiß ich nicht mehr.

Nun ist Steve Cohen, der Gründer der The Shivas Irons Society (SIS), vor ein paar Tagen verstorben. Er wurde 76 Jahre alt. Als er noch die Geschäfte führte habe ich hin und wieder mit ihm korrespondiert. Wem die SIS nichts sagt: Die Society mit dem Wahlspruch ‚True Gravity‘ ist ein exklusiver Kreis von Golfmystikern (andere sagen: geheimnisvolle Sekte), der sich von Michael Murphys Buch ‚Golf in the Kingdom‘ inspiriert fühlt. Das ist die meistverkaufte Golf-Novelle aller Zeiten, da liegt die Latte für uns Golfautoren.
Worum es darin geht, will ich an dieser Stelle nicht ausführen und ob die deutsche Übersetzung den ‚Spirit‘ vermittelt der Hundertausende von Golfern weltweit inspiriert hat, möchte ich auch offen lassen.
‚Golf in the Kingdom‘ führte Steve jedoch zu der Annahme „that the game of golf can be profoundly educational if we use the experience to gather insight into our own being by coaxing the transcendent from the ordinary.“

So brachte Steve die SIS ins Laufen. Es gelang ihm, Golfer in einer weltweiten Community zu vernetzen, darunter auch prominente Golfer wie Dr. Joseph Parent, Fred Shoemaker und Kirk Triplett.
Über allem schwebt der Geist von Michael Murphy, dem Gründer des Esalen Institute, Big Sur, Kalifornien, einer Brutstätte für Bewusstseinsentwicklung, die ich auch in meinem Buch ‚Golf Gaga‘ erwähnt habe.
Meine Vermutung, nach der sich der schottische Adel im Golfspiel übte, um auf den Magerwiesen (Links) von Musselburgh und Gullane Beach nebenbei nach Psilocybin-Pilzen zu suchen (weil den Lords das Dope ausgegangen war) interessierte Steve sehr. Jahre später, nachdem er sich krankheitsbedingt aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte, ist die Korrespondenz mit seinen Nachfolgern weitgehend eingeschlafen.

Steve Cohen hat viel für den ‚Spirit of Golf‘ getan, weil er mit der SIS eine Möglichkeit schuf, jenen zu begegnen, die das Spiel aus einer anderen Perspektive betrachten.
Wer die Würdigung von Ben Kline, dem Nachfolger von Steve, noch nicht gelesen hat, sollte das vielleicht nachholen, zumal dem ein Nachruf von Michael Murphy folgt: „Because of him, I came close to God one day in Dornoch, over a single malt, after a round in fierce wind that had worn my defenses thin.“

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

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