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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Frau Oelmann hatte mich als Titelverteidiger des Cybergolf-Cups zum diesjährigen Matchplay herausgefordert.

Ich weiß nicht mehr, seit wann wir den ausspielen, jedenfalls sind wir bisher immer nur zu zweit gewesen.* Dieses Jahr trafen wir uns in meinem früheren Heimatclub, dem Attighof, den ich noch nicht mit Frau Oelmann zusammen gespielt habe. Vom Attighof versprach ich mir einen gewissen Heimvorteil, aber dieser Platz ist knifflig und weil man nie weiß, was passiert, hatte ich einige Überraschungen organisiert, um Frau Oelmann aus dem Konzept zu bringen.

Zum Beispiel aßen wir vor dem Start beim neuen (indischen) Club-Gastronomen. Das Essen war ohnehin reichlich, aber ich hatte dafür gesorgt, dass man Frau Oelmann eine noch größere Portion indischer Köstlichkeiten auftischte, so lecker, dass man nicht von lassen konnte. Als wir die Runde begannen, konnte sie deshalb kaum noch japsen.

Das freundliche Sekretariat signalisierte freie Bahn, der Platz präsentierte sich in optimaler Verfassung, die Vögel sangen, die Sonne schien und wir rollten ächzend zum Abschlag. Auf dem Weg durch das kleine Wäldchen zum 1. Tee deutete ich an, dass man uns mit der Startzeit dazwischengeschoben hätte und wir deshalb flott loslegen müssten, was bei Frau Oelmann die von mir erwünschte Nervosität auslöste.

Golfclub Attighof: Golf trifft Kunst Foto: Eugen Pletsch

Kaum hatte ich abgeschlagen, trafen die drei Damen ein, die ich mit Kaffee und Kuchen bestochen hatte, um hinter uns ein bisschen zu Drängeln und für Unruhe zu sorgen. Das gelang. Entnervt von meiner Hektik und dem Geflüster hinter den Büschen verzog Frau Oelmann ihren Drive nach rechts unter einen Baum. Eine fiese Lage, aus der sie nur heraushacken konnte. Da meine gesamte Körpersprache und bedrohliche Blicke nach hinten Eile signalisierten, gingen auch ihre nächsten Schläge in die Binsen, weshalb das 1. Loch an mich ging.

Kurz darauf trat der von mir mit drei Titleist Pro V1 bestochene Einzelspieler auf, der fröhlich den Hohlweg zum zweiten Abschlag herunterklapperte, während Frau Oelmann gerade ihren Drive vorbereitete. Ich schlug vor, ihn nach ihrem Abschlag durchspielen zu lassen, da wir nicht das gesamte Spielerfeld aufhalten könnten. Frau Oelmann nickte, schlug zu, hielt ihren Drive auf der Bahn – aber dann mussten wir warten, worauf sie ihren 2. Schlag entnervt hinter das Grün donnerte.

2 auf. ;-)

Golfclub Attighof: Herrliche Landschaft Foto: Eugen Pletsch

Kurz darauf trat der Greenkeeper auf den Plan. Wenn möglich, werden Bahnen im Attighof klugerweise von der 18 zur 1 gepflegt, weil man die Spielergruppen dann nur einmal stört. Aber an diesem Tag was es mein ausdrücklicher Wunsch, dass uns der Greenkeeper solange begleiten sollte, bis das Ergebnis des Matches absehbar war. Nach drei Bahnen Rasenmäherbrummen lag ich drei auf und die erprobte Turnierspielerin und Hickory-Meisterin Oelmann griff nun in ebenfalls in die Trickkiste, um zu kontern. Sie behauptete, sie hätte ihre Wasserflasche wegen meiner Hektik nicht einstecken können und wäre bereits dehydriert, worauf ich mit Schuldgefühlen reagierte und ihr meine Wasserflasche überließ.

Sie leerte die Flasche mit kräftigen Zügen und lächelte gemein, denn sie wusste dass ich die nächsten Bahnen bis zum Halfway-House darben würde, während ihre Wasserflasche im Bag versteckt lag. Allein der Gedanke daran, ohne Trinkwasser bei der Hitze unterwegs zu sein schwächte mich derart, dass es Frau Oelmann gelang, Loch für Loch zu zurückzugewinnen.

Es ist nicht mein Art, lange Worte zu machen und zudem Tradition, dass ich weder aus dem privaten Nähkästchen plaudere noch eine ganze Golfrunde erzähle – doch so viel sei den Fans von Frau Oelmann gesagt: Sie schlug sich hervorragend und so gewann sie das 2. Brutto in der Gesamtwertung.

Golfclub Attighof: Frau Oelmann freut sich. Sie hat überlebt. Foto: Eugen Pletsch

Um zu vermeiden, dass ich Details über unsere Scores ausplaudern könnte, ließ sie die Scorekarte nach der Runde schneller verschwinden, als die US-Seals Osama Bin Laden.
Nach meiner Schätzung lagen wir jedoch noch unter Hundert, ein Ergebnis, das gewissen Jungseniorenmannschaften zur Ehre gereicht hätte. Streichergebisse der Ligen sehen in Attighof bisweilen noch deftiger aus.

Bei einigen Haudraufs und Longhitter ist der Platz nicht sehr beliebt ist, denn Attighof erfordert ‚smart play‘, Course Management und die Kunst der Selbstbeherrschung (Driver stecken lassen).

Frau Oelmann ging das sehr klug an, in dem sie fast immer mit dem Hybrid abschlug. Zum Beispiel an meinem Angstloch, der 12: Traumatisierte Spieler werfen an dieser Bahn jeweils einen Ball rechts und links in den Büsche, um die Golfdämonen gnädig zu stimmen. Dann schlagen sie mit dem Putter ab, damit sie eine Chance haben, jemals am Grün anzukommen.

Als Frau Oelmann am Tee stand, rieb ich mir bereits die Hände, aber sie wusste ja nicht, wie schwer die Bahn zu spielen ist. Mit leichtfertiger Naivität zog sie durch und bretterte ihren Ball bis kurz vors Grün des Par 4. Dann chippte sie zur Fahne und verpasste knapp den Birdie-Putt, während ich eine 9 spielte und mit schlotternden Knien zum nächsten Abschlag wankte.

Auch in Bezug auf die Landing Zone muss man im Attighof umdenken. Da die Bälle, besonders bei Trockenheit, von den schrägen Bahnen abspringen, muss man entweder dahin spielen, wo die Bälle liegen bleiben oder dahin, wo sie zu finden sind. Das gelingt nicht immer, was Gelegenheit gibt, uns in der klügsten Haltung zu üben, die man in diesem Spiel einnehmen kann: Das, was JETZT ist, zuzulassen! (Siehe E. Tolle „JETZT“)
Oder, wie die Engländer sagen: „Keep calm and carry on!“

Wenn mich ein junger Spieler fragen würde, wo er seine Waffen schärfen und seine Golf-Künste prüfen könnte, würde ich ihm empfehlen, zum Attighof fahren, weil man da lernt, sein Hirn zu gebrauchen. Oder auch nicht, wie viele Scores zeigen.

Wer von außerhalb kommt, um in unserer Gegend von Hessen interessante Plätze zu spielen, dem empfehle ich eine Rundreise durch die Clubs Attighof, Winnerod und Braunfels. Das sind drei wunderschöne Golfanlagen mit sehr unterschiedlichem Charakter, die zu erleben jeweils spannend werden kann.

Dem Golfclub Attighof danke ich für seine Gastfreundschaft und Captain Ollstein, Autor des Buches ‚Combat Golf‘ danke ich für seine ‚dirty trick‘-Anleitung zum Gewinn von Matchplays.

Frohe Pfingsten

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

*Falls es Interessenten gibt, die den Cybergolf-Cup im nächsten Jahr mitspielen möchten, bitte melden.

PS: Die Gastronomie im Attighof kocht natürlich nicht nur indisch, sondern hat auch vorzügliche deutsche und italienische Gerichte auf der Karte!

PPS: Frau Oelmann meint, das Match wäre anders verlaufen, wenn sie nicht von Blau hätte spielen müssen, während ich von Gelb abschlug. Ich hätte sie reingelegt, als ich ihr sagte, dass die hinteren Abschläge (Weiss) nur bei European Tour Events benutzt werden dürfen. Tja, kann sein, dass ich da da was verwechselt habe... ;-)

 

Auer Power XXIO