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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass mir der Präsident des DGV, Herr Nothelfer, mal leidtun würde. Was ich beim Hearing des DGV erlebt habe, kann ich nur fragmentarisch wiedergeben, denn noch bin ich im Schock-Zustand...

Den Zustand, in dem ich mich Freitagnacht befand, würde Dr. Bercelmeyer als „verstört“ bezeichnen. Um meine verwirrte Seele zu besänftigen, begann ich „Der stille Putsch“ von Jürgen Roth zu lesen, ein Buch, das mir der Heyne-Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar zugeschickt hatte. Die Intrigen einer geheimen Elite aus Wirtschaft und Politik vergrub, die derzeit versucht, sich Europa und unser Land unter den Nagel zu reißen, besänftigten meinen Blutdruck und ließen mich schlafen, denn ich wußte wieder, dass es immernoch Schlimmeres gibt, als ein DGV-Hearing.

Zwei Tage später möchte ich nun versuchen, diesen Nachmittag in aller Unvollkommenheit und mit der mir üblichen Subjektivität zu skizzieren. Dabei kann ich keine der Zitate verwenden, die ich in der abgedunkelten Höhle mitgekritzelt habe, in der das Hearing des DGV stattfand. Die meisten Namen der Redner habe ich ohnehin nicht verstanden, vermutlich weil meine Synapsen bereits durch eine Überdosis Gummibärchen verklebt waren. Aber der Reihe nach:

Pressekonferenz Solheim Cup

Ich nahm den Zug um 10 Uhr 37 nach Frankfurt, erwischte sofort eine Tram und war stolz, die 7. Etage des Marriott-Hotels um viertel vor 12 rechtzeitig zur Pressekonferenz des Solheim Cups erreicht zu haben.

Als ich ankam, war die Stimmung chillig gemütlich. Manche Kollegen schrieben, es wurden Interviews geführt, im Flur wurde gegessen. Ich hatte mir eine dicke Stulle mitgebracht, um deutlich zu machen, dass ich mich nicht mit ein paar DGV-Fressalien korrumpieren lasse. Ich nicht!
Diese klare Haltung hielt ich etwa 9 Minuten durch. Dann entdeckte ich die Roastbeef-Sandwiches. Auch die Herren von "Golfpost" ließen es sich schmecken und ich gesellte mich zu einem kleinen Plausch zu Ihnen. Ich wartete auf die Pressekonferenz und erfuhr so nebenbei, dass die Solheim Cup Präsentation bereits ab 11 Uhr stattgefunden hatte.

Da ich vom Roastbeef-Sandwich Hunger bekommen hatte, nahm ich mir etwas von dem Geschnetzelten, das lecker schmeckte und unterhielt mich beim Futtern mit Herrn Kartmann von PING, den ich nun seit ewigen Zeiten kenne. Er war mit Herrn Solheim, dem 2. Sohn von Karsten Solheim, zur Pressekonferenz gekommen. Den alten Karsten Solheim, den Gründer der Fa. PING, hatte ich vor etlichen Jahren in München bei der BMW OPEN kennengelernt und hier war nun sein Sohn, der genau so viel graue Wolle auf dem Kopf hatte wie ich noch am Tag zuvor, bevor mir meine Nachbarin die Künstlermähne gesellschaftsfähig zurückstutzte.

Im Flur stand eine Kaffeemaschine. Auf dem Fensterbett lag ein Bündel gelber T-Shirts mit dem blauen Slogan „Go Europe!“. Gerade während ich überlegte, wie viele dieser T-Shirts ich in meine Umhängetasche stopfen könnte, ohne dass es auffallen würde, schlenderte Präses Nothelfer auf dem Weg zum Kongress an mir vorbei. Er blieb stehen. Wir tauschten ein paar Höflichkeiten aus, bis ich ihn schließlich anblaffte, dass der Kurswechsel des DGV für mich ausgesprochen geschäftsschädigend sei. Er schien erstaunt. Deshalb führte ich aus, dass meine DGV-Polemik auf Cybergolf stets die meisten Besucher bringen würde. Wenn der DGV langsam zur Vernunft käme, wäre das für mich ein Fiasko.
Herr Nothelfer, der meinen „Weg der weißen Kugel“ allabendlich wie eine Bibel studiert, beruhigte mich. Er wusste, dass mich der wilde Haufen niemals brotlos machen würde, der sich in diesem Moment sechs Etagen tiefer zusammenrottete, Teer kochte und Hühnerfedern rupfte, um dem DGV-Präsidium eine Western-Fango zu verpassen.
Meine Idee, der DGV-verwahrlosten Golf-Chaoten den „Spirit of Golf“ auf humorvolle Weise in einem Vortrag nahezubringen, schien ihn zu interessieren. Aber verständlicherweise war er in Eile, wie jeder, der seine Abschlagszeit auf der Guillotine nicht verpassen möchte und so verabschiedete er sich Richtung Lift.

Auch ich wollte hinab in den Hades fahren, aber ich wartete einen Moment, denn ich wollte Herrn Nothelfer nicht kompromittieren, indem wir beide gemeinsam aus dem Lift träten. Und natürlich hatte auch ich etwas Angst um meinen schlechten Ruf.

Grüßen und gegrüßt werden...

Also nahm ich den nächsten Lift runter und begab mich zu der hungrigen Meute und den (vermutlich von der VcG-querfinanzierten) Leckereien am Buffet. Meine Stulle würde ich auf der Heimfahrt zu essen. Dank meiner chamäleonartigen Fähigkeit mich jeder Umgebung anzupassen um Nahrung zu finden, hielt man mich wohl für einen, der dazu gehört. Jedenfalls grüßten mich manche Leute, aber ich wusste meist nicht, wer das war. Vermutlich grüßten sie, weil sie mich mit jemandem verwechselten, der auch graue Haare hatte und einen Blazer trug. Fast alle hatten grauen Haare und trugen einen Blazer und so grüßte ich auch alle möglichen Leute und die Gegrüßten nickten freundlich zurück. So ging das Grüßen und Zunicken hin und her.

Die zumeist älteren Herren (und ein paar wenige Damen) labten sich an Erfrischungen und Erinnerungen, während ich versuchte, möglichst viele Roastbeef-Scheiben in die Tupperware zu stopfen, die mir Kim-Bum, unser Cybergolf-Azubi mitgegeben hatte. Natürlich musste ich dabei diskret vorgehen, denn überall standen junge Leute im Pinguin-Outfit herum, die uns mit Argus-Augen beobachteten, damit wir alten Leutchen kein Silber mitgehen ließen. Ich brauchte eine Weile, bis es mir gelang, die Kellner von den DGV- Mitarbeitern zu unterscheiden. (Die Kellner trugen ein Marriott-Schildchen, die DGV-Mitarbeitern ein DGV-Emblem).

Ein Törtchen mit fast rohem Rindfleisch belegt, fiel mir besonders ins Auge. Ich griff mir den Happen und biss hinein. Das zarte Fleisch liebkoste meinen Gaumen, aber der Tortenboden war etwas durchgebacken, wie mir schien. Eine Herausforderung für meine Implantate. Ich biss nochmal zu, aber da war kein Durchkommen. Ich versuchte, das Törtchen an der Kante abzubeißen. Keine Chance.
In Gesellschaft gilt es als unfein, etwas hervorzuziehen, was man schon mal im Mund hatte, aber mir blieb keine Wahl. Ich gedachte meiner langen sittenlosen Tradition als Clubfreier Golfer, dachte an die proletarischen Ursprünge des Golfsports, wie sie Herr Diethe in seinem Buch „Golfheroen“ ausgeführt hat und holte dass steinharte Brettchen aus dem Mund. Es war aus Bambus.

Bevor das DGV-Hearing begann, bat mich der ehrenwerte Präsident des Golfclubs Semlin, ihm ein Erdbeer-Sahne-Dessert mitzubringen. Wir hatten uns bereits am Stehtisch vorgestellt. Er hatte noch nie von mir gehört, was man keinem Clubpräsidenten übel nehmen darf. Also wies ich ihn höflich darauf hin, dass ich in seinem Club-Prospekt 2013 das Vorwort geschrieben hatte und mein Buch „Achtung Golfer!“ in Semlin lektoriert wurde. Darüber hinaus sei ich dem Club seit Jahren sehr verbunden, weshalb ich bereits mehrere Geschichten anlässlich meiner Besuche in Semlin veröffentlich hätte.
„Aha“, sagte er und löffelte das Sahnehäubchen von seiner Erdbeere. Ich drückte ihm meinen Flyer in die Hand. Präsidenten wegen Lesungen anbaggern, war der eigentliche Grund meiner Anwesenheit, aber um es gleich zu sagen: An diesem Tag war es ein so trostloses wie sinnloses Unterfangen.
(Dafür entdeckte ich in den Seitentrakten der Lobby jede Menge klebriges Haribo-Zeug, Jelly Beans und Treets in allen Farben, die vermutlich vom Bundesverband der Zahnärzte gesponsert waren. Die Sweets sollten mir in den nächsten Stunden immer wieder Trost spenden.)

Meuterer auf der Marriott

Als ich meinen Platz im Vortragssaal einnahm, stand Herr Nothelfer bereits in der Bütt. Er machte nur kurze Ausführungen zur Agenda. Offensichtlich war geplant, sich von Präsidium-Seite aus möglichst kurz zu fassen, um dem Plenum viel Zeit zum Austausch zu geben.

Beim DGV-Hearing 2014 Foto: Eugen Pletsch

Dann sprach Herr Klose, der Mann der Eskimos Kühlschränke verkaufen kann. Er versuchte kurz und bündig vorzustellen, was in Sachen Imageverbesserungs-Kampagne geplant war, aber diesmal wollte keiner der Eskimos kaufen. Die Faust, die mancher Clubvertreter aus verschiedensten Gründen in der Tasche ballte, spreizte sich und fuhr zur Wortmeldung empor. Natürlich sprach zuerst Herr Wolters, der alles schon seit 20 Jahren kennt, wie er betonte. Der nächste, der sich einmischte, drohte mit Meuterei, wenn man nicht schnellstens bereit wäre, alle Positionen noch mal zu überdenken. Es folgte ein fröhliches Hin und Her zwischen Bütt und Bodentruppen.

Bereits an diesem Punkt hatte ich das Gefühl, dass der DGV weder die Bounty noch die Titanic ist, sondern der Eisberg, der von verschieden Interessengruppen bevölkert ziellos vor sich hintreibt, während in seinem Inneren eine Art Kernschmelze stattfindet.

Es folgten mehrere Wortmeldungen, darunter nauch dieser Herr Wolters, der mich im letzten Jahr mit seiner offensiven DGV-Kritik begeistert hatte, auch wenn mir schon damals bewusst war, dass wir bezüglich Clubfreier Golfer extrem gegensätzliche Positionen vertreten. Nach drei Wortbeiträgen wurde jedoch deutlich, dass dieser Mann ein erzreaktionärer Waldschrat ist, der den VcG und jegliche nicht organisierten Golfer geradezu pathologisch zu hassen scheint. Noch schlimmer war jedoch Herr Weichselgartner. Der Millionär namens Mick, hat mit „Golfvalley“ ohne Frage einen großartigen Platz ins Gelände geschoben. Leider hat er jedoch (wie auch andere saturierte Clubbesitzer und ähnlich Politikern) offensichtlich jeglichen Realitätskontakt verloren. Inhaltlich vermag ich das nicht auszuführen, da ich im Halbdunkel nur wenige Sätze mitschreiben konnte, aber es gibt vermutlich Protokolle und ich hoffe, dass die veröffentlich werden.
Die Vehemenz, mit der sich Weichselgartner aufblähte und gegen die nicht organisierten Golfer intrigierte, war für mich entsetzlich anzuhören, denn es war das ewiggleiche VcG-Bashing, weshalb ich vor ein paar Jahren darauf verzichtet hatte, überhaupt noch an DGV-Reichsparteitagen teilzunehmen. Ich dachte immer, das „schwachsinnige, aber reiche Mündel des DGV“, wie ich die VcG mehrfach bezeichnet habe, wäre den meisten Clubs als ewige Cash-Cow höchst willkommen, aber nix da. Mick braucht solche Leute nicht. Er hat genug Kohle und „VcG Spieler sind keine richtigen Golfer“ soll er am Samstag noch nachgelegt haben, wie mir von einem Clubvertreter berichtet wurde.

Endlos, sinnlos, aussichtslos - die Diskussion mit unverbesserlichen Altvorderen

Den ganzen Hintergrund der "Clubfreien"-Diskussion, den ich seit 15 Jahren und im „Weg der weißen Kugel“ immer wieder ausführlich erörtert habe, werde ich jetzt nicht zum hundersten Mal wiederholen, aber da es bei der ganzen Image-Diskussion ohnehin nur ums Geld geht und viele Clubs dringend Geld brauchen, dachte ich, man wäre mittlerweile dankbar und glücklich, wenn Clubfreie Golfer gegen Greenfee spielen und dabei auch noch andere Umsätze im Club tätigen.

Gemäß internationalen Gepflogenheiten war und ist  es selbstverständlich, dass man Golfern – ich sage extra nicht „Clubgolfer“ – den Zutritt zur Anlöage gestattet, sofern das nicht den eigenen Vorgaben (Privatclub, Handicap-Beschränkung, keine Startzeit etc.) widerspricht.
Ich hätte niemals gedacht, dass diese rüde Clique nach wie vor ihr intrigantes Spiel treibt, um Spielern Clubmitgliedschaften aufzuzwingen, die sie nicht haben möchten oder sich nicht leisten können. Man beruft sich dabei auf das Prinzip der Gegenseitigkeit und möchte nur Spieler dulden, die auch einen eigenen Platz vorweisen können. Damit wären die Mitglieder der R&A schon mal außen vor, da diese auch nur Spielrecht auf einem öffentlichen Golfplatz, dem „Old Course“ von St. Andrews, genießen.

Nein wirklich, diese unverbesserlichen Altvorderen sind bar jeder sozialen Mitverantwortung (was beim Thema Golfer-Image auch ein Stichwort wäre) und haben absolut nichts dazugelernt. Angeblich stehen in Deutschland ca. 600 Tsd. nicht organsierte Golfer in den Startlöchern, der DGV plant eine millionenschwere Medienkampagne um mehr Golfer zu erreichen und hier sitzen sie, die großen Verhinderer des Golfsports und blasen jene typisch deutschen Positionen in die Luft, die einem nur einfallen können, wenn man zu viel Geld und zu wenig kritisches Feedback hat.
Wenn es nach diesen Leuten ginge, dürften Christen nur dann (gegen Spende) in fremden Kirche beten, wenn sie nachweisen können, dass sie am Bau oder zur Renovierung ihrer Heimatkirche mit beigetragen haben. Gehts noch?

Da wurden Sachen gegen Clubfreie Golfer gesagt, die waren wirklich menschenverachtend. Und diese Leute wollen das Image des Golfsports verbessern? Sie sind der Grund für dieses miese Image!
Und dann fiel mir noch eins auf: Selbst die Clubmitglieder sind für diese „Golf-Unternehmer“ nicht mehr als Vollzahler-Deppen und besonders beliebt sind die, die dabei möglichst wenige Runden spielen. Dann stimmt die Kalkulation.

Dass der Golfclub ursprünglich ein Zusammenschluss von golfbegeisterten Gleichgesinnten war, ist mittlerweile vollkommen vergessen. Natürlich haben sich die Zeiten geändert und ein Golfclub ist nicht mehr die Heimat der ganzen Familie. Aber wenn ich das Clubmitglied nur noch als jemanden betrachte, der sein Jahres-Greenfee vorab als Festbetrag abdrückt, dann darf man sich nicht wundern, wenn kein Clubleben mehr stattfindet. Wer den Golfer nur noch als Kunden sieht und nicht als Menschen, hat ein Problem. Als Clubmitglied möchte man das Ambiente eines Golfclubs genießen und das Golfspiel mit gesellschaftlichen, kulturellen und natürlich auch geschäftlichen Interessen verknüpfen. Darin liegen doch die eigentlichen Werte einer Mitgliedschaft und all das hat der Greenfee-Spieler im Normalfall nicht zu erwarten! Wer seine Clubmitglieder wie ungeliebte Greenfee-Spieler behandelt, braucht sich nicht wundern, wenn ihm die Mitglieder bald wieder weglaufen. Darüber schon mal nachgedacht, Ihr Schlauberger?

Ich erlebe das ständig, wenn ich versuche, den Golfclubs meine Lesungen anzubieten: Den Gedanken, den Clubmitgliedern einen Abend auszurichten, der niveauvollen Humor mit golfphilosophischen Gedanken verbindet, muss man Managern und Clubpräsidenten meist sehr mühselig und oft umsonst erklären.

Sind Clubs und Club-Leben wirklich veraltete Konzepte? Mittlerweile beherrschen die „Unternehmer“ die Diskussion und die Chuzpe, mit der sie ihrem eigenen Verband die eigene geschäftliche Misere um die Ohren schlagen, hat mich wirklich erstaunt. Mag sein, dass die Prognosen des DGV vor Jahren zu positiv waren, aber dürfen nur Club-Golfer Golfer sein?
Weil die unmäßig überteuerte Club-Ausstattung sowie die Unterhaltskosten auf dem Platz zum Rendite-Killer werden, könnt Ihr die Clubfreien doch nicht alle in Sippenhaft nehmen! Habt Ihr denn einen Vogel? Ihr seid doch Unternehmer?! Dann unternehmt was! Da draußen sind Tausende von Golf-Interessierten, die gerne würden, aber nicht können, weil Eure Konditionen einer im Zusammenbruch befindlichen Mittelschicht derzeit einfach zu heftig sind. (Nochmal: "Der Stille Putsch" von Jürgen Roth). Schon mal daran gedacht, das Konzept der Platzpflege zu ändern, um Kosten einzusparen?

(Die ungelöste Frage, was (ehemalige) jüngere Club-Golfer zwischen 25 und 40 machen sollen, die beim Nestbau sind und kaum Zeit und Geld für golferische Exzesse haben, lassen wir jetzt mal außen vor.)

Ein Mick Weichselgartner mag es sich nicht vorstellen können, aber es gibt Golfer, die müssen für wenig Geld ganz viel arbeiten oder haben sogar ihren Job verloren. Trotzdem lieben sie das Golfspiel und möchten wenigstens hin und wieder auf dei Runde gehen. Wem tut es denn weh, wenn gerade diese ambitionierten Spieler für ein Greenfee spielen, das sie sich manchmal wirklich vom Mund absparen müssen? Dabei werden sie auch noch arrogant behandelt und müssen an den Rezeptionen rumbetteln, weil ihnen der goldene Knopf am Ausweis fehlt, (der übrigens nicht mit dem Datenschutz vereinbart ist, wie man mir sagte). Weil Geld nicht stinkt, dürfen sie schließlich doch auf einen Platz, der von gelangweilten Wohlstands-Hackern verstopft ist, die seit Jahr und Tag keine Golfstunde genommen haben und die genau das Image transportieren, dass der Golfsport in Deutschland hat. Da bekommt man wirklich einen Hals!

Ein Pitch macht Platsch

So. Ich sehe schon, das wird wiedermal zu lang und dabei habe ich die zweite Strömung, die den DGV unter Feuer genommen hat, noch gar nicht vorgestellt. Ich nenne diesen Flügel mal die „konstruktiven Pragmatiker“, die aus ihrer Praxis heraus Methoden entwickelt haben, um ihre Clubs erfolgreich zu führen. Anstatt auf das reaktionäre Geschwätz bayrischer Millionäre zu hören, versuchen sie ihre Clubs zu öffnen und sind damit offensichtlich recht erfolgreich. Diese Fraktion brachte aber auch die härtesten Kritiker in Stellung, als schließlich dieser unsägliche Pitch gezeigt wurde, den die Agentur "Ketchum Pleon" zu meinem und anderer Entsetzen an die Wand schmetterte. Ich will mich darin nicht verlieren, nur vor viel: Man war schlecht gebrieft und der Spot war schlecht gemacht. Es war genau das großformatige Weichzeichner-Gesülze, das ich bereits vor Wochen angekündigt hatte. Die „konstruktiven Pragmatiker“ würden die Budgets lieber für regionale Werbung einsetzen, anstatt für eine Marketing-Kampagne, die Millionen kostet.

Aber: Egal, ob jemand für oder gegen Fernsehwerbung ist – aus meiner Sicht besteht ein grundsätzlicher Denkfehler, indem man annimmt, Menschen mit Hilfe von Fachleuten zum Golfspiel hin manipulieren zu können und dabei hofft, dass dadurch eine dauerhafte Verbindung zum Golfspiel entstehen könnte.
(Ich rede, wie immer, vom Golfspiel und nicht vom Golfsport, der für mich eine ganz andere Baustelle ist, was oft auch nicht begriffen wird.)

Man glaubt, dass eine große Kampagne etwas transportieren könnte, was helfen würde, das Golfer-Image zu verbessern. Das funktioniert aber nicht. Schon der Ansatz ist falsch. Den fatalen Fehler, Golfern eine Idee von oben aufzubügeln, hatte man bereits bei der Ryder Cup Kampagne gemacht. Es war eine Kampagne für Clubgolfer (weil: andere darf es ja nicht geben), das heißt: Die „Bekenner-Aktion" des DGV sprach weder das Heer der nicht cluborganisierten Golfer an, geschweige denn die Nichtgolfer. 

Zum Schluss frage ich mich, warum in dem gesamten vorgestellten Imagekonzept jene treuen Paladine wiedermal ausgegrenzt und mit keinen Wort erwähnt werden, die die Idee des Golfspiels äußert nachhaltig, konstruktiv und informativ via Internetzwerke verbreiten. Damit meine ich Golfportale, Golfforen, Clubfitter, Golfblogger, darunter auch meine Wenigkeit, wie das Uli Kaiser formulieren würde. Wir sind in jeder Suchmaschine (und da ist jeder Golfinteressierte gleich welcher Zielgruppe unterwegs) auf abertausend Seiten präsent, aber beim DGV kommen wir nicht vor oder höchstens als die Deppen, die kostenlos helfen sollen, einen Wust an widersprüchlichen DGV-Visionen zu verbreiten.

Weil wir zu klein und popelig sind? Ihr werdet Euch noch wundern!

Es war und ist äußerst ungeschickt vom DGV, die verschieden Kommunikatoren und Multiplikatoren des Golfspiels in Deutschland immer wieder außen vor zu lassen und nur die Platzhirsche der alten Erbhöfe zu hofieren, die mit ihren Printmedien zwar vorzeigbarer sein mögen, aber Nachhaltigkeit vermissen lassen. Bisher dachte ich, das wäre, wie ich immer schrieb, „bornierte Ignoranz“, aber das ist es gar nicht. Es ist schlicht Unkenntnis, vermutlich aus Überlastung, vielleicht auch aus Inkompetenz.

Jedenfalls ist man wiedermal kurz davor, eine teure Maus zu gebären. Dabei konnten die Herren von der Agentur Ketchum dem Plenum sehr geschickt verdeutlichen, dass man sie mit ihren paar Milliönchen Etat höchstens als Sozialfall in die Medien hieven könnte, sozusagen als Gefälligkeit: „Mit fünf Millionen kann man schon arbeiten....“., sagte einer der Herren generös, um den verstockten Kleingeistern im Plenum Hoffnung zu machen.

(Ich frage mich bei der Gelegenheit, was ein kreatives Netzwerk wie die „Komplizen“ für einen Bruchteil des Geldes via Guerilla Marketing und Social Network auf die Beine stellen würden und zwar dezentral und auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten)

Ich erwarte nicht, dass Ketchum in meinem "Golftagebuch" blättert, aber etwas mehr Hausaufgaben hätten sie schon machen können. Sie hätten wissen müssen, dass die üblichen Naturbilder, aufgenommen in Morgendunst eines herrlichen Sommertages, nicht der Realität entsprechen, die sich zwei Stunden später scheppernd über den Platz hackt, weil man so viel Geld für die Mitgliedschaft ausgegeben hat, dass für Trainerstunden offensichtlich kein Geld mehr übrig ist. Diese Realität des Club-Alltags ist vielerorts ein weiterer Grund, warum man den Club nach 3-5 Jahren wieder verlässt. Da, wo das so ist, müssen die Clubs mal selber sehen, was los ist. Meist stinkt der Fisch vom Kopf.

TAO PING PONG

Nun denn: Bevor ich mir auch noch den zweiten Schönwettertag mit Golf-Politics vermassele, möchte ich in die Schlussgerade kommen. Ich weiß nicht, ob das, was mich bei dem Hearing geradezu traumatisiert hat, rübergekommen ist, aber allein die Tatsache, dass mir Herr Nothelfer und Herr Klose danach richtig Leid taten, zeigt, welche Eisberge in welcher Heftigkeit aufeinander prallten.

Eugen Pletsch und Herr Solheim von PING 2014 in Frankfurt

Kurz vor Ende der Diskussion floh ich in die Lobby, wo ich nochmal die Herren von PING traf. Herr Kartmann machte das Foto mit Herrn Solheim und mir und Herrn Solheim hatte vermutlich keine Ahnung davon, welche Harpyien sich im Nachbarraum zerfleischten.

Ich entsorgte noch einige Gummibärchen und anderen gefärbten Süß-Kram, um meinen Frust im Insulin-Rausch zu ersticken. Dann fuhr ich zurück zum Bahnhof, stieg in den falschen Zug, fuhr in einem anderen Zug zurück und frage mich immer noch, wo eigentlich die Drogen drin waren, die den ganzen Wahnsinn ausgelöst haben mussten.
Ich vermute, es waren diese roten Beeren-Smoothies, die überall herumstanden. Vielleicht hat das Zeug irgendwelche Fuselalkohole freigesetzt, die eine halluzinierende Wirkung auf Club-Präsidenten haben?

Wie die Sache ausging und wie am Samstag abgestimmt wurde, entnehmt Ihr bitte den Pressemeldungen. Ich haben erst mal wieder komplett fertig für eine Weile.

Erschöpfte Grüße

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

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