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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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Mit einem gewissen Schaudern beobachte ich, wie der DGV derzeit versucht, seine Marketing-Platzreife zu machen. Dabei mache ich mir so meine Gedanken...

Das herrlich sonnige Wetter der letzten Woche sorgte für einen frühzeitigen Start in die neue Golfsaison und unsere Grüns in Winnerod sind für diese Jahreszeit bereits erstaunlich schnell.

In den letzten Tagen hatte ich die aktuelle Diskussion mit einigen Satiren kommentiert, die Ihr vermutlich schon auf der Startseite von Cybergolf gesehen habt. Fiktionale Texte lege ich übrigens unter der neuen Rubrik „Glossen“ ab, aber auch das, was mir zu den surrealen Ideen des DGV einfällt. Ich finde das passt gut zusammen.

In dem Zusammenhang schrieb mir Leser T.K. warum ich immer noch über den DGV meckern würde, gerade jetzt, wo sich etwas bewegt und Herr Klose im Golfpost Talk mittlerweile Positionen vertritt, die von Eugen Pletsch stammen könnten. Außerdem fragte er, ob ich nicht auch bereit wäre, etwas zu tun, um das Image des Golfsports in Deutschland zu verbessern.
Da musste ich erst mal schlucken. Ich dachte, ich würde seit Jahr und Tag nichts anderes machen, als ein anderes Bild vom Golfspiel zu vermitteln. Dazu fällt mir das Gespräch mit einem Freund ein, der demnächst die erste Lesung zu meinem neuen Buch Banalanga veranstalten wird. Er ist als Sportler sehr aktiv, aber er ist kein Golfer. Trotzdem hat er meine Bücher gelesen. Wenn er jemals mit Golf anfangen würde, sagte er kürzlich, dann nur auf Grund dieser Lektüre. Meine Bücher hätten ihm ein gänzlich anderes Bild vom Golfsport vermittelt.
Hin und wieder schreiben mir Golfer (und Nichtgolfer, z.B. bei den Lesermeinungen auf Amazon), dass sie das Spiel durch meine Bücher auf andere Weise betrachten.

Es geht mir nicht darum, Golf als meditative Übung verkaufen (was auch nicht neu wäre) aber wenn man Golf stärker als eine Übung des Geistes und der Charakterbildung herausstellen würde und darauf entsprechend in der Ausbildung hinwirkt (Stichwort Regeln und Etikette), dann entstände eine neue Orientierung, mit der sich auch das Image verändern könnte.
Was immer sich im Laufe der Jahre an Projektionen, Illusionen und Tatsachen verdichtet hat, ist für das Spiel eigentlich vollkommen zweitranging – dennoch ist das derzeitige Image des Golfsports davon geprägt. Wenn Golf nur mit „gehobenen Gesellschaftsschichten“ im negativen Sinn assoziiert wird, darf man sich nicht wundern, wenn Golf in breiten Bevölkerungsschichten auf Ablehnung stößt.

Meint Ihr, mir macht es Spaß, einen Sport zu betreiben, der ständig mit Steuerhinterziehung und Feinkost-Eliten assoziiert wird? Das ist für mich allein schon deshalb schädlich, weil meine Bücher für das Feuilleton tabu sind. Ein Buch auf dem *Golf* drauf steht, fasst kein Redakteur an, und wenn auch noch *Pletsch* drauf steht, nicht mal ein Golfredakteur, wie ich schmerzhaft erfahren musste.

Golf ist hierzulande eines der letzten wirklichen Tabus, besonders für Sozis, Linke, Alternative, Grüne und die Szene der angeblichen Bewusstseinserweiterung, aus der ich stamme. In diesen Kreisen ist Golf schlimmer als gentechnische Kontamination durch Monsanto.
Deshalb nenne ich mein Portal „Cybergolf.de – die andere Golf-Seite“ und versuche immer wieder darauf hinzuweisen, dass „Golf ein Sport des Herzens ist und nicht der gemeinsame Nenner aller Steuerflüchtlinge“, wie ich im Vorwort zu „Endlich einstellig!“ schrieb.

In diesem Sinne werbe ich seit Jahren für ein anderes Image des Golfsports, auch wenn der DGV das nicht wahrnimmt. Natürlich finde ich es einerseits gut, wenn die endlich reflektieren, warum das Golfspiel hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung einen so schlechten Ruf hat. Andererseits: Solange kein wirklicher Bewusstseinswandel stattfindet und es nur darum geht, wieder Geld in die Kassen zu bekommen, wird sich wenig ändern.

Die Frage ist, ob es der Sport ist, der auf Ablehnung stößt oder ob nicht eher die „Golfer“ gemeint sind?
Ich persönlich glaube, dass der Golfsport den meisten Nichtgolfern ziemlich egal ist. Der wird höchstens als langweilig angesehen. Was eigentlich auf Ablehnung stößt, sind die „Golfer“ die mit den privilegierten Selbstbedienern dieser Gesellschaft gleichgesetzt werden. Mir selbst geht das auch so. Diese Business-Turniere, Promi-Seiten in Golfzeitungen, dieses ganze eitle Geschwätz und Charity-Getue von Leuten, die häufig weder Etikette kennen noch Manieren haben. Man muss sich nur mal mit den Kellnerinnen in gewissen Golfclubs unterhalten, um zu wissen, warum wir dieses Image haben!

Gerade lese ich das Buch „GOLFHEROEN“ von Jürgen Diethe, eine Fundgrube für alle, die sich für die Ursprünge unseres Spiels interessieren. Auch der Film über Francis Quiment zeigt sehr deutlich, dass die Zweiklassen-Gesellschaft im Golfsport von Anfang an bestand.
Doch die soziokulturelle Entwicklung des Golfsports war in Schottland eine andere als bei uns. Hierzulande wurde zuerst in Kurorten wie Bad Homburg und Baden-Baden gespielt, weil reiche Engländer während der Kur nicht auf ihren Zeitvertreib verzichten wollten. Deshalb hat das Spiel hierzulande keine proletarische Tradition, sondern wurde gleich von der besseren Gesellschaft okkupiert, die die ersten Golfvereine gründeten.

Da Golf in Deutschland nicht im Niemandsland der Küstenstreifen (Links) gespielt wurde, sondern in Kurparks und auf freien Flächen, musste es jemanden geben, der Geld in die Hand nahm um Land zu kaufen, um das Clubhaus zu bauen und um die Unterhaltskosten zu finanzieren. Das waren traditionell private Golfclubs mit Mitgliedern „gehobener Gesellschaftsschichten“ und irgendwann in den 1980ern gab es dann endlose Wartelisten, um in einen Golfclub aufgenommen zu werden. Wer als Unternehmer, Freiberufler, Banker, Erbe, Mafiosi oder wie auch immer zu Geld gekommen war, versuchte einen Platz in einen möglichst renommierten Golfclub zu bekommen.

Dann kamen die ersten Betreibergesellschaften, die auf einen vom DGV prognostizierten Golf-Boom hofften. Man baute supertolle, superteure Plätze und hoffte auf die Schönen, Reichen und Erfolgreichen, die noch keinen Platz in den privaten Clubs gefunden hatten. Auch der DGV hatte Blut geleckt, verließ seine Kernkompetenzen und versuchte seine Verbands-Gewese zu "professionalisieren".
Aber dann änderte sich die Wetterlage und Geld wurde knapp, weil Unternehmer, Freiberufler, Banker, Erben und Mafiosi ihr Geld so angelegt hatten, dass es nicht vom Staat verplempert werden konnte. Deshalb herrscht jetzt eine gewisse Dürre, weshalb etliche Betreibergesellschaften am Tropf der Banken hängen und selbst private Golfvereine ihre Probleme haben. Gleichzeitig offenbart eine DGV-Studie, was die Spatzen seit Jahren von den Dächern pfeifen, nämlich, dass weite Kreise der Gesellschaft Ressentiments gegenüber dem Golfspiel hegen.

Ob es dem DGV mit seinen Marketing-Versuchen gelingen wird, neue Zielgruppen zu erschließen, wissen die Götter. Aber wer Golf spielen will, wird erfahren, dass dieser Sport nicht nur von neureichen Dumpfbacken, SUV-Proleten und sozialverwahrlosten Luxus-Zicken dominiert wird. Er/sie wird auch andere Golfer kennenlernen, die weder dem Klischee des „Golfers“ entsprechen, geschweige denn etwas mit den Standesdünkeln gewisser „Eliten“ zu tun haben.
Manche dieser Spieler haben das erfahren, was man den "Spirit of Golf" nennt. Sie wandern unter dem weiten Himmel, treiben ihren Ball vor sich her und sind bereit, sich Schlag für Schlag mit den Konsequenzen ihres Tuns auseinanderzusetzen. Sie spielen auf Golfplätzen oder auf Brachen oder zwischen den Dünen am Meer. Es gab sie schon immer und es wird sie immer geben und wer sich für diese Hintergründe näher interessiert, sei auf mein Buch „Der Weg der weißen Kugel“ verwiesen, in dem ich das Spiel und seine Historie auf meine Weise beschrieben habe.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

PS: Eure / Ihre Meinungen wie üblich bitte an home(ädd)cybergolf(punkt)de

 

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