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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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„Endlich schreibt er wieder richtig“ meinte ein Blogger bezüglich meiner letzten Beiträge zur DGV-Diskussion. Ein fragwürdiges Kompliment, das nur bedeuten kann, dass er mit dem, was ich sonst seit einiger Zeit schreibe, nicht viel anfangen kann.

Darüber habe ich nachgedacht und muss etwas klar stellen: Eigentlich möchte ich lieber humoristische Texte verfassen von denen ich hoffe, dass sie eine etwas längere Halbwertzeit haben, als mein Gezeter über die Interviews des DGV.

Wenn ich in Sachen DGV notgedrungen rückfällig wurde und dann jemand den „alten Wolf“ lobt, der noch zubeißen kann, dann ist das aus meiner Sicht ein Missverständnis, denn es ist so sinnlos wie folgenlos, den DGV-Mond anzuheulen. Ich mache das nicht gerne, es gibt wirklich wichtigere Dinge im Leben und ich mache es nur, weil ich in den letzten 30 Jahren etwas von der Entwicklung des Golfsports in Deutschland mitbekommen habe und meine Erfahrungen mit denen teilen möchte, die noch nicht so lange dabei sind bzw. nur die DGV-Propaganda kennen.

Meine „golfpolitische“ Position habe ich in Büchern und Texten deutlich gemacht, was mir von einem Kritiker meines Buches „Endlich einstellig!“ sogar den Vorwurf einbrachte, ich würde nur für „elitäre Golfer“schreiben und „Durchschnittsgolfer“ abwertend behandeln. Dieser Leser meinte sogar, ich gehörte zu dem Kreis derer, die den Golfsport in Diskredit bringen. Ich weiß nicht, was er mit „elitäre Golfer“und „Durchschnittsgolfer“ meint. Meint er mit „elitäre Golfer“, die Leute, die überteuerte Anlagen in den Sand gesetzt haben und mit „Durchschnittsgolfer“ jene, die angelockt werden, um die Rechnungen zu bezahlen?

Oder meint er mit „elitäre Golfer“ alle, die das Prinzip des Spiels erlernt haben und auf der Einhaltung von Etikette und Regeln bestehen, während mit „Durchschnittsgolfer“ Spieler gemeint sind, die sich ohne Konzept und Können über den Platz hacken und nur eine rudimentäre Ahnung von Regel und Etikette besitzen – kurz gesagt – die Opfer der DGV-Breitensport-Offensive?

Für mich ist der „Durchschnittsgolfer“, egal wie gut oder schlecht er spielt, leider immer noch derjenige, der von der elitären Wahnvorstellung befallen ist, „besseren Kreisen“ anzugehören, weshalb er es als sein gutes Recht ansieht, neben den Regeln der Besteuerung von Vermögen bisweilen auch die Regeln des Golfspiels beugen zu dürfen. Solche Leute prägen das Image des Golfsports und daran wird sich, leider, so schnell nichts ändern. Aber das ist eine andere Diskussion.

Ich kann mir durchaus vorstellen, mit einem DGV-Funktionär, einem erzkonservativen Club-Präsidenten und einem clubfreien Wandergolfer eine erfreuliche Runde zu erleben, solange wir uns am gemeinsamen Nenner der Golfregeln und der Etikette orientieren.
Im Gegensatz dazu möchte ich nicht mit jemand spielen, der wissentlich oder unwissentlich betrügt, selbst wenn wir eine hohe gesellschaftspolitische Übereinstimmung hätten und mir die Person auch sonst sympathisch wäre.
In diesem Sinn kann ich gut verstehen, wenn sich Leserbrief-Schreiber über die Verwurstung unseres Spiels empören, dass Jahrhunderte überlebte, aber mittlerweile, zumindest hierzulande, offensichtlich kurz vor dem Offenbarungseid steht.

Manche, und ich zähle mich dazu, bezeichnen sich als traditionelle Golfer, in dem Sinn, wie sich Indianer, die dem alten Pfad folgen und keine Spielbanken betreiben möchten, auch als „Traditionalisten“ bezeichnen. Das heißt, dass ich wenig mit dem pseudoelitären Gehabe von Möchtegern-Golfern anfangen kann (siehe meine Glosse "Die Volksschwinger"), die meinen, auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu müssen. Sie schwirren mal hier hin, mal dort hin, um neben dem Bootschein, dem Flugschein und dem Trauschein auch noch den Golfführerschein zu machen, damit sie „hin und wieder Golf spielen können“, was immer sie darunter verstehen mögen. Diesen flatterhaften Wesen läuft der DGV seit Jahren nach, um frisches Geld für sich und die Clubs einzutreiben.

Als Verband der Golfclubs ist das (und das ist die andere Seite, die man auch sehen muss) durchaus Aufgabe des DVG, egal wie ungeschickt er sich dabei anstellt. Denn machen wir uns nichts vor: Wer mehr als nur Cross-Golf spielen will, wer treue Grüns und gepflegte Abschläge wünscht, der braucht einen Golfplatz und der wird entweder (wie früher üblich) privat von den „Eliten“ finanziert oder die Kosten werden auf viele Schultern verteilt. Je nachdem, wie die Entstehungs-Kosten aufgebläht wurden, führt das zu dem Zwang, selbst Einarmige zum Golfspiel zu animieren. Der freien Entwicklung des Marktes steht das Monopol des DGV z.B. bei der Clubausweis-Vergabe entgegen, aber das hatte ich bereits angesprochen)

Wenn also jemand bereit ist, sein Hobby mit einem nicht unerheblichen Betrag zu finanzieren, dann sollte er/sie auch erwarten können, dass ein gewisser spielerischer Mindeststandard gegeben ist. Früher war es das Handicap 36, was auch ich damals als Ausgrenzung empfunden habe, heute weiß ich, warum das zumindest auf manchen Anlagen Sinn macht.
Um es deutlich zu sagen: Ich finde es wunderbar, dass jede/r auf unserem öffentlichen 9-Loch-Platz in Winnerod „Pay und Play“ abschlagen darf, übrigens einem der schönsten Kurzplätze weit und breit. Ich würde mich zwar freuen, wenn er/sie minimale Kenntnisse vom Spiel hätte, aber selbst das ist bei uns keine Vorrausetzung.
Anderseits nervt es mich, wenn ich auf dem großen Platz, am besten noch bei einem Turnier, mit jemandem spielen muss, der/die nicht die leiseste Ahnung von Etikette hat, geschweige denn in der Lage ist, seinen Ball so zu treffen, dass die Mitspieler nicht ständig in ihrem Spielfluss gestört werden.
Das richtet sich jetzt wohlgemerkt nicht gegen ernsthaft bemühte Anfänger, (die es gottlob noch gibt); es könnten (leider) auch Spieler sein, die schon länger dabei sind. In den meisten Fällen sind es jedoch „Freizeitgolfer“, die meinen, das Spiel z.B. aus gesellschaftlichen oder beruflichen Gründen per Handy betreiben zu müssen und die Idee des Golfspiels nie begriffen haben. Was ich am DGV kritisiere ist, dass sie genau diesen Trend zum Fliegenfischen seit Jahren forciert haben.

Wenn wir Golf spielen, dann spielen wir nach Regeln und achten den Platz, auf dem wir Gast sein dürfen, sowie unsere Mitspieler. Das meine ich mit Golf-Tradition. Dass die letzten traditionellen Golfer hierzulande mittlerweile unter Artenschutz gestellt werden müssten, ist ein Problem, das beim DGV vermutlich noch gar nicht erkannt wurde.

Wohlgemerkt: Jeder kann Cross-Golfen spielen und sich dabei absprechen, nach welchem Modus gespielt wird. Aber Schach ist Schach und Golf ist Golf und sowie jemand auf einem Golfplatz mit anderen auch nur um eine Tasse Kaffee spielt, dann spielen – wir zumindest – Golf, und zwar nach den Regeln der R&A. Und wenn die R&A irgendwann anfangen sollte, ein anderes Spiel zu erfinden um dem Zeitgeist aus wirtschaftlichen Gründen zu huldigen, dann wird es trotzdem Traditionalisten geben, die weiterhin nach den alten Regeln spielen werden und damit sind nicht nur die Hickory & Tweed-Societies gemeint.

In einer Zeit, in der die Regeln menschlichen Miteinanders offensichtlich aufgehoben sind, in einer Zeit, in der die „Eliten“ Regeln aufstellen, die für alle, nur für sie selbst nicht gelten, in einer Zeit, in der 85 Personen reicher ist als die ärmere  Hälfte der Weltbevölkerung
in einer Zeit, in der das Lügen und Betrügen Grundlage vieler beruflicher Tätigkeiten geworden ist – in dieser Zeit finde ich es geradezu avantgardistisch, dem „Spirit of the Game“ als Kodex eines gepflegten Miteinanders neue Bedeutung zu verleihen.

Sollte ich (neben der Zwangsmitgliedschaft beim Monopolisten DGV) jemals einem anderen Kaninchenzüchterverein beitreten, dann wäre eine Gemeinschaft die sich dem Golfspiel, so wie es war und sein sollte, verschrieben hat, meine allererste Wahl.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

PS: Gratulation an Dominic Foos, der in Katar nicht nur den Cut schaffte, sondern mit einem geteilten 16. Platz außerordentlich zu beeindrucken wußte. 

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