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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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Ulf schreibt: „Ich vermisse in Deinem letzten Blog die klare Linie.(...) Würde Golf wieder so sein wie vor 15 Jahren wie von Dir vorgeschlagen, quasi zurückgeschrumpft mit Platzrecht ab HCP 36, freigegeben durch ausgiebig zu bezahlende Pros auf überteuerten Anlagen, wäre ich kein Golfer." Hier meine klare Linie:

Lieber Ulf,
ich habe nicht vorgeschlagen, dass Golf wie vor 15 Jahren sein soll. Ich möchte, dass sich der Golfmarkt frei entwickeln kann, was nur möglich ist, wenn sich der DGV nicht überall einmischt und als Hemmschuh agiert.

Internationale Kooperation und Koordination als Golfverband, Jugendgolf, Statuten, Regeln, was weiß ich noch … alles OK, aber das Clubausweis- Monopol, das Recht der Handicap-Verwaltung und die Bestimmung der Leitlinien, wie der Golfsport in Deutschland zu sein hat, sind die Wurzel allen Übels.

Wenn es sich Clubs leisten können, sollen sie meinetwegen eine Handicap-Begrenzung einführen, oder Gäste nur mit Mitgliedern spielen lassen, oder mit Hilfe von Marshalls ein Zeitlimit setzen, damit spielerische Qualität und Spielfluss wieder den Vordergrund treten - was auch immer - und wer es als öffentliche oder private Anlagen anders handhaben will, zum Beispiel "Pay und Play" anbietet, sollte auch dazu jede Freiheit haben.
So wird das meines Wissens in England und den USA und allen Ländern gehandhabt, die eine lange Golftradition besitzen. Wie sich die Clubs auf- und darstellen, da hat sich der DGV meiner Ansicht nach rauszuhalten, weil das individuelle wirtschaftliche Entscheidungen sind.

Durch die Historie des DGV als Vereinigung der Landesverbände und der darin enthaltenen (ehemals meist) privaten Golfclubs hat sich eine Art Automatismus entwickelt, nachdem letztendlich nur jene Partner des Monopolisten am Markt agieren können, die sich seinen Leitlinien unterordnen. Als Hebel dazu dient der Clubausweis, also das Recht des DGV zu bestimmen, wer wieviele Ausweise bekommt.

Wenn der DGV nun angeblich erkennt, dass etwas falsch läuft und das öffentlich reflektiert wird, hätte das meine Hochachtung, wenn der Verband auch bereit wäre, sich selbst zu reflektieren und nicht nur die durch den Verband geschaffene Situation.
Deshalb schrieb ich in meinem Leserbrief an Golfpost: „Wie jeder Therapeut bestätigen wird, kann ein Problem nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der es entstanden ist.“

Meine Kritik gilt also hauptsächlich dem Anspruch des DGV auf sein Monopol. Der DGV sollte (das meine ich mit Rückbesinnung) jene Werte vermitteln, die dem „Spirit of the Game“ zu Grunde liegen, sollte Hilfestellung geben, z.B. bei der Ausbildung von Marshalls und auf alle Fälle dafür sorgen, dass die Regeln der R&A nicht durch die mangelhafte Ausbildung von Neugolfern via Wochenendplatzreife vor die Hunde geht.

Ein Golfverband hat dafür zu sorgen, dass Golf gespielt wird und nicht irgendetwas, was der Zeitgeist gerade fordert.

Auf einem Schachbrett kann ich Schach und Dame spielen. Wer die Schachregeln nicht kennt, kann an keinem Schachturnier teilnehmen. Wer nur Dame spielen kann oder will, sollte keine Schachfiguren anfassen. Ein besseres Bild fällt mir jetzt nicht ein, um zu verdeutlichen, dass das, was derzeit bei uns an der Hacker-Front passiert, mit der Idee des Golfspiels kaum noch etwas zu tun hat.

Es ist sehr schwierig, eine Gratwanderung, den Unterschied zwischen dem einstigen elitären Golf und dem was ich meine zu verdeutlichen, aber von überall bekomme ich Signale gesendet, dass immer mehr Leute endlich wieder Golf spielen wollen und nicht das, was der DGV daraus gemacht hat, um einer Vielzahl von Interessen "mit multioptionalem Konsum-und Freizeitverhalten" gerecht zu werden. (Siehe auch: Alptraum Handicap und "Die Volksschwinger")

Außerdem darf der DGV seine Ziele nicht an der Finanzierung der eigenen ständig anwachsenden Struktur sowie den Interessen von Ausgründungen wie der DGS oder dem VcG orientieren, die für massive Marktverzerrungen sorgen.

Dazu gäbe es noch mehr zu sagen, aber ich schreibe über das Thema seit mehr als 20 Jahren und obwohl ich weiß, dass ich beim DGV intern durchaus meine Leser habe, hat es niemals (seit Herrn Brügelmann, der mir mehrfach schrieb), irgendeine Intention gegeben, mit mir zu kommunizieren.

Ich bin diese bornierte Ignoranz leid, die sich nach Außen verständnisvoll und kommunikativ-schwammig gibt, aber letzendlich knallhart im Eigeninteresse agiert.

Es würde sich auch nichts ändern, wenn der DGV den Quantensprung eines kompletten Kurswechsels vollziehen würde, denn dieser entspränge nicht der Flexibilität des Geistes, sondern nur der schieren Ratlosigkeit und dem Wunsch, die eigene Pfründe zu sichern.

Deshalb noch einmal: Der DGV ist nicht UNSER Verband, sondern die Interessenvertretung der Clubs und selbst von denen haben etliche die geballte Faust in der Tasche und die Faxen dicke.

Herzliche Grüße

Eugen

PS: Dass ich auf das Thema so gereizt reagiere, hängt damit zusammen, dass ich rückfällig geworden bin. Ich hatte mir fest vorgenommen, nur noch Golf zu spielen und kleine Schnurren zu schreiben und den DGV komplett auszublenden. Meine Therapeutin sagt: Verglichen mit dem, was einer Frau im Iran passieren kann, die von den Wächtern der Revolution beim Schminken erwischt wird, sind die scheinschwangeren Wehen des DGV kein echtes Problem, mit man sich auf Dauer befassen sollte. Wie recht sie hat.

 

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