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Notizen von Eugen Pletsch

Der große Golfball-Test und der kleine Eisbär

Schneeregen. Nasskalt. Ich war fast eine Woche nicht mehr auf dem Platz. Was macht man an solchen Tagen? Ich weiß nicht, was Ihr macht, aber ich bereite den großen Golfball-Test 2012 vor.  
Wird aber auch mal Zeit, werdet Ihr sagen. Stimmt. War längst überfällig. Seit Jahren sacke ich die ganzen Mustersendungen ein, die mir die Golfball-Industrie zuschickt, denn am 2. September 2007 hatte ich an dieser Stelle meinen ersten Golfballtest unter dem Titel "ALDI-Bälle im Sonnensturm" veröffentlicht und seit dem… na ja, ich kann nicht zu deutlich werden, aber es dürfte wohl jedem aufgefallen sein, dass die Discounter seit einiger Zeit keine Golfbälle mehr im Angebot haben…
Manche Markenfirma hat seitdem auch begriffen, was ein schlecht gelaunter Kommunikator anrichten kann, wenn man ihn nicht ständig mit leckeren, nagelneuen, weißen Golfbällen füttert. Mittlerweile habe ich zu viele davon, da ich selbst nur gebrauchte, gefundene Bälle spiele. Das Problem war zuletzt die Lagerung. Ich hatte alle Schränke voll und wusste nicht mehr wohin mit der Wäsche und den Handtüchern.
Das Problem ist jetzt insofern gelöst, als mein Enkelsohn kürzlich in die Nachbarschaft gezogen ist. Wir haben einen Bereich in seinem Spielzimmer abgetrennt und alle Golfbälle reingeschüttet. Sieht aus wie eine IKEA-Spielburg, nur das alles weiß ist. Wenn ich ihn besuche, muss ich mir eine Schneebrille über meine Brille schieben. Dann lege mich auf die Bälle. Es ist wunderbar für meinen Rücken auf dieser Unterlage hin und her zu rutschen. Wir spielen dann Eisbär. Ich bin der Opa-Eisbär, der über das Eis rutscht, um den kleinen Eisbären zu retten, der von Tigers umlagert ist. Tigers gibt es bei uns auf dem Eis leider ziemlich viele. Manchmal muss ich auch ein Tiger sein, aber das mag ich nicht, weil der kleine Eisbär dann mit Schneebällen auf den Tiger wirft (was natürlich Golfbälle sind), und das tut ziemlich weh. Deshalb bin ich lieber Opa Eisbär und rette ihn vor den Tigers.
Aber zurück zum Test.
Mit einem unheimlichen Aufwand testen die Fachzeitschriften Golfbälle nach etlichen Kriterien, von denen ich mich frage, wen das eigentlich interessiert. Glaubt man tatsächlich, dass die Leser zu Hause sitzen und vor Spannung an den Fingernägel knabbern, weil sie es nicht abwarten können, zu erfahren, welcher Marketing-Etat die besten Flugeigenschaften hat.
Mir ist die Spin-Rate eines Balles vollkommen wurscht und die meisten Leute, mit denen ich spiele, würden einen Ball mit Spin-Rate nicht mal anfassen, weil sie eine Phobie haben.
Seit ich versuche, den Ball mit „Lag“ zu chippen, toppe ich ihn ohnehin mit einer solchen Regelmäßigkeit über das Grün, dass mir keine Spin-Rate der Welt helfen kann. Viel entscheidender ist doch: Finde ich denn Ball hinter dem Grün, wenn er ins Rough springt? Oder anders gefragt: Wie treu ist ein Golfball? Weiß das wer? Wurde das bisher in irgendeinem Test erfragt? Ich wüsste nicht!
Dabei ist die Treue eines Golfballes doch viel entscheidender, als alles andere. Was nützt es mir, wenn sich ein stinkteurer Ball mit seiner superhaltbaren Schale bei nächstbester Gelegenheit in die Büsche schlägt? Mich interessiert nicht, wie die Kugel fliegt oder wie lange sie hält – mich interessiert, ob sie bei  mir bleibt! Charakterliche Eigenschaften eines Golfballes wurden in Tests bisher vollkommen ausgeblendet, aber damit ist jetzt Schluss.
Ich habe mehrere Ballmarken ausgewählt, die ich gerne spiele und sowie es wieder geht, werde ich mit einem Ball starten, den ich mit dem Datum markiere. Das trage ich dann auch in eine Liste ein und wenn der Ball weg ist, wird das vermerkt. Da ich für mein gerades Spiel berüchtigt bin, kann es eine Weile dauern, bis ein Ball weg ist. Ein Test mit drei oder vier Bällen könnte sich deshalb über das Jahr hinziehen. Andererseits habe ich diese Langzeiterfahrungen bisher nur mit Gebrauchtbällen gemacht. Neue Bälle sind auch bei mir schnell futsch. Es kann also sein, dass ich schneller zu Testergebnissen komme.

So. Das war‘s für heute. Der kleine Eisbär wird gerade von hungrigen Tigers bedroht, die ihn fressen wollen. Opa Eisbär muss deshalb sofort zurück auf die Titleist-Scholle, um den kleinen Bären zu retten. Falls ich den Kampf mit den schrecklich gefährlichen Tigers im endlosen Eis überleben sollte und der kleine Eisbär gerettet ist, melde ich mich wieder. Oder, wenn der Test beginnt.

Ihr / Euer

Opa Eisbär





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