Der städtische Verwaltungsbeamte Frank O. war allgemein als gutmütiger Zeitgenosse bekannt.
Er war kein Mann der großen Worte. Seine Fähigkeit, während eines Telefonats tief und fest einzuschlafen, betrachteten seine Vorgesetzten als Zeichen besonderer Ausgeglichenheit. Unruhige Kollegen, zum Beispiel der Kämmerer, der in Anbetracht der Haushaltslage kaum noch Schlaf fand, schauten gerne mal bei Frank vorbei, „um sich eine Mütze Schlaf abzuschauen“, wie es allgemein hieß. Bei aller Gemütsruhe galt Frank O. jedoch als Innovator. Seine auf scharfsinniger Beobachtung basierende Empfehlung an die Busfahrer der Stadtwerke, erst loszufahren, wenn alle Fahrgäste eingestiegen sind, reduzierte die Unfälle unter Rentnern und sorgte für zusätzliche Einnahmen durch Fahrgäste, was der Nachtruhe des Kämmerers gut tat.
Er war kein Mann der großen Worte. Seine Fähigkeit, während eines Telefonats tief und fest einzuschlafen, betrachteten seine Vorgesetzten als Zeichen besonderer Ausgeglichenheit. Unruhige Kollegen, zum Beispiel der Kämmerer, der in Anbetracht der Haushaltslage kaum noch Schlaf fand, schauten gerne mal bei Frank vorbei, „um sich eine Mütze Schlaf abzuschauen“, wie es allgemein hieß. Bei aller Gemütsruhe galt Frank O. jedoch als Innovator. Seine auf scharfsinniger Beobachtung basierende Empfehlung an die Busfahrer der Stadtwerke, erst loszufahren, wenn alle Fahrgäste eingestiegen sind, reduzierte die Unfälle unter Rentnern und sorgte für zusätzliche Einnahmen durch Fahrgäste, was der Nachtruhe des Kämmerers gut tat.
Frank O. hatte ein Hobby: die Stallhasenzucht. „Der geile Erwin“, wie sein Rammler unter Mitzüchtern respektvoll genannt wurde, war sein ganzer Stolz. Mit dem auf vielen Zuchtleistungsschauen prämierten Erwin verbrachte er einen Großteil seiner Tage und Nächte.
Dann, eines Tages – es geschah in Rheda-Wiedenbrück auf einem Rammler-Symposium – brach Erwin aus seinem Reisekäfig aus und sprang in ein Streichelgatter, wo er unter entsetzen Blicken junger Familien eine Häsin namens Helga bestieg. Helga, die große Hoffnung des Verbandsvorsitzenden Hubertus Canditus Bercelmeyer, war die schönste Häsin von Niedersachsen. Man hatte große Zucht-Pläne mit ihr, die der geile Erwin gründlich verdarb. Er rammelte das Weibchen derart durch das Streichelgatter, dass die Tauben aufflogen und sich die Meerschweinchen im Stroh verkrochen.
Und so kam es zum Eklat: Der geile Erwin wurde von der Zuchteistungsschauen gesperrt. Frank O., der von Erwin menschlich sehr enttäuscht war, setzte den Rammler kurzerhand im Wald aus, wo Erwin bald im Kochtopf einer Familie verschwand, die sehr hungrig war, weil weder das Callcenter noch der für ihren Antrag auf Sozialleistungen zuständige Sachbearbeiter erreichbar waren.
Irgendwann wandte sich Frank O., wie viele andere vereinsamte und verbitterte Gestalten, dem Golfsport zu. Er wähnte darin eine Individualsportart, die er ungestört von Fremdeinflüssen ganz für sich ausüben könnte. Frank, der schon als kleiner Junge darauf bestand, im städtischen Sandkasten alleine oder gar nicht zu spielen, musste jedoch erfahren, dass der Golfplatz auch von anderen Spielern genutzt wird. Um seine Gemütsruhe beraubt und durch die Trennung von Erwin verbittert, trat schließlich der dunkle Schatten des Cholerikers aus ihm hervor, der sich all die Jahre hinter seinem bräsigen Wesen verborgen hatte.

Frank O. war bald bei allen MitspielerInnen wegen seiner Wutausbrüche gefürchtet. Auch auf der Arbeit wurde seine innere Wandlung besorgt registriert. Nachdem Frank O. nicht mehr zu halten war, bot man ihm eine Weiterbildung zum Busfahrer an, die er gerne annahm. Jetzt fährt er die Linie vom Stadtzentrum raus zum Golfplatz.

Frank O. war bald bei allen MitspielerInnen wegen seiner Wutausbrüche gefürchtet. Auch auf der Arbeit wurde seine innere Wandlung besorgt registriert. Nachdem Frank O. nicht mehr zu halten war, bot man ihm eine Weiterbildung zum Busfahrer an, die er gerne annahm. Jetzt fährt er die Linie vom Stadtzentrum raus zum Golfplatz.
Frank O. wurde, wie viele andere Golfer, schwer depressiv. Seine einzige Freude liegt darin loszufahren, während jemand einsteigen will. Die Bustür zu schließen, wenn junge Mütter den Kinderwagen gerade mal halb in den Bus wuchten konnten, ist seine Spezialität. Dann gluckst er leise, was sein Therapeut gerne als „emotionalen Durchbruch“ bezeichnet.
© by Eugen Pletsch, 2011














