„Golfen und Kochen passen hervorragend zusammen“, schrieb mir Karsten Kiefer von k17, der Agentur für Sport und Kommunikation. „Die richtige Technik und eine gute Ausrüstung spielen nicht nur auf dem Grün, sondern auch in der Küche eine große Rolle.“
Wie wahr, wie wahr. Auch, wenn das Golfspiel traditionell eher mit dem haltlosen Wegsaufen traumatisierender Erfahrungen in Verbindung gebracht wird, so ist es doch das qualitativ und geschmacklich hochwertige Menü nach der Runde, das Trost spendet und die Nervenfette liefert, deren jeder Golfer bedarf, der sich über Stunden in Wald und Heide zum Narren gemacht hat.
Wie wahr, wie wahr. Auch, wenn das Golfspiel traditionell eher mit dem haltlosen Wegsaufen traumatisierender Erfahrungen in Verbindung gebracht wird, so ist es doch das qualitativ und geschmacklich hochwertige Menü nach der Runde, das Trost spendet und die Nervenfette liefert, deren jeder Golfer bedarf, der sich über Stunden in Wald und Heide zum Narren gemacht hat.
Zumindest bei uns ist das so, denn das, was man traditionell in englischen und schottischen Clubs aufgetischt bekommt, wird wohl niemand – selbst wenn er einen anglophilen Traditionsfimmel hat – ernsthaft als qualitativ und geschmacklich hochwertiges Menü bezeichnen wollen.
Dort gäbe es für AEG viel Missionarsarbeit zu tun, wobei ich nicht wirklich weiß, was sich in in der Heimat des Golfsports in den letzten Jahren kulinarisch getan hat. Als ich zuletzt in St. Andrews war, wurde gerade die erste Pizzeria eröffnet, die eine Vielfalt von Schrecken bot. Aber zurück zum Thema:
Der Golfsport und die Aktivitäten hinter dem Herd hätten viel gemeinsam, führte die Agentur weiter aus. Na ja. Eine solche symbiotische Beziehung könnte man auch zwischen Rollschuhlaufen und Koma-Saufen herstellen, aber was soll´s, denn jetzt kommt der entscheidende Satz, der mich stets milde stimmt:
„Wir möchten Sie im Namen von AEG herzlich einladen,
bei dem außergewöhnlichen Turnier mit dabei zu sein.“
Jetzt mal ehrlich, Leute: Wenn ich zum AEG Golf & Cook Cup eingeladen werde, um mit dem unbestechlichen Seismographen meiner kritischen Zunge wohlwollend zu prüfen, was Sternekoch Stefan Marquard über den Grill jagt, werde ich mich nicht lange bitten lassen! (Zumal das exklusive Event, das durch elf hochkarätige Golfclubs in Deutschland und Österreich tourt, fast vor meiner Haustür in Frankfurt-Niederrad Halt machte.) Deshalb sagte ich zu.
Den Platz des Frankfurter Golfclubs hatte ich lange nicht mehr gespielt. Das letzte Mal war ich dort mit meinem alten Freund Lord Timbo, dem Präsidenten der „Honorable Flutchers Society“ und als wir ins Clubhaus zurückkamen, brannten die Zwillingstürme. Es war 9/11. Seitdem hatte ich diesen herrlichen Platz in Frankfurts Süden gemieden, was eigentlich Quatsch ist, denn die Welt brennt allerorten, egal ob ich in Niederrad spiele oder nicht. Trotzdem lauschte ich vor meiner Abfahrt den Nachrichten. Wiedermal war ein Vulkan in Island ausgebrochen, wie damals, beim DGV-Verbandstag. Mit Flugasche kenne ich mich mittlerweile aus. Also fuhr ich los.
Der AEG Golf & Cook Cup startet mittlerweile seine dritte Saison. Bisher hatte ich diese Serie zwar in den Medien wahrgenommen, aber nur deshalb, weil Marco Schmuck mit dabei ist, den Oliver Heuler einmal als den „besten Golftrainer der Welt“ bezeichnete.
Große Lorbeeren, auf denen sich Schmuck nicht auszuruhen scheint, denn als ich im Vorjahr in Olching war, wo Schmuck wirkt, lernte ich zwar seine nette Frau kennen, aber der Meister selbst war irgendwo unterwegs auf Schwungmontage.
Große Lorbeeren, auf denen sich Schmuck nicht auszuruhen scheint, denn als ich im Vorjahr in Olching war, wo Schmuck wirkt, lernte ich zwar seine nette Frau kennen, aber der Meister selbst war irgendwo unterwegs auf Schwungmontage.
Der andere Frontmann der Turnierserie, Stefan Marquard, wird als „Freibeuter der Küche“ bezeichnet. Marquard, in seinem Outfit „zwischen Golfpunk und St. Pauli Golfclub“, trägt ein Techno-Bärtchen à la Mike Klais und schaut hinter ähnlich dicken Brillengläsern wie ich in die Welt, nur andersrum.
Das heißt: er ist weitsichtig, ich bin kurzsichtig. Kurzsichtige und Weitsichtige haben an sich wenig mehr Gemeinsamkeiten als den Optiker (wie ich in „Golf Gaga“ im Kapitel „Der Ficus“ ausführe), aber seit ich im Halfway-House den ersten Happen aus des Meisters Händen verkostete, war es vorbei mit meinen Vorurteilen. Wir beide haben Cola-Flaschenböden vor den Augen, er kocht gerne und ich esse gerne. Das ist doch eine gute Grundlage für eine gesunde Beziehung, oder?
Der renommierte Teaching Professional und ehemalige Playing Pro Marco Schmuck verrät (…) Tipps und Tricks, um mit möglichst wenigen Schlägen zu punkten“, hieß es in der Einladung. In Frankfurt konnte Schmuck leider nicht vor Ort sein, aber er wurde von dem jungen Pro Jan Förster, ebenfalls Heuler-Schüler, würdig vertreten, der im Frankfurter Golfclub offensichtlich seinen Ort der Erfüllung gefunden hat. Mit jedem Flight bestritt Förster einen „Beat-the-Pro“ Contest am 16. Loch und wurde dabei nicht allzu häufig geschlagen.
Ich wollte, was diesen Tag angeht, nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber da meine Freundin nach einem meiner längeren Vorträge über die 70er Jahre (OSHO, Otto Mühl, die AAO, Timothy Leary und die Bedeutung der Spiritualität in der Moderne) total weggepennt ist, liefere ich noch ein paar Details:
Ich wollte, was diesen Tag angeht, nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber da meine Freundin nach einem meiner längeren Vorträge über die 70er Jahre (OSHO, Otto Mühl, die AAO, Timothy Leary und die Bedeutung der Spiritualität in der Moderne) total weggepennt ist, liefere ich noch ein paar Details:
Der Frankfurter Golfclub ist ein herrlich eingewachsener Parkland-Course, ein Traditionsclub und es gibt dort Mitglieder, die seit mehr als einem halben Jahrhundert Golf spielen. Tradition und Etikette werden dementsprechend gepflegt, was mir als wiedergeborenem Golf-Traditionalisten nur recht sein kann. Trotzdem gibt es Signale, dass sich auch in diesem Club manches ändert und das Klima jünger und offener geworden ist. Dass der „Freibeuter der Küche“ hier gastiert, ist für mich ein solches Signal, auch wenn das für andere Leute nichts Besonderes sein mag in einer Stadt, in der jede Menge „Freibeuter des Kapitals“ hausen.
Trotzdem: So einen Koch, der wie ein Rockstar mit einem großen Truck unterwegs ist, haufenweise schwarz gekleidete Seeräuber-Roadies dabei hat und ganz gemütlich seinen Stiefel durchzieht, habe ich bislang noch nicht erlebt. Wie gesagt: Meine erste Begegnung mit Stefan Marquard fand am Halfway House zu einem Zeitpunkt statt, als ich jegliche Form von Stärkung dringend nötig hatte. In Frankfurt kommt das Halfway House erst nach der 11. Bahn und da lag ich bereits 11 über Par.
Es wäre unhöflich, meine Runde im Detail zu erzählen, nur so viel: Ich spielte mit zwei netten Damen und einem Orthopäden, einem Spezialisten für Knie und Schulter! Genau mein Thema! Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich schier platzte, aber ich konnte den Herrn Spezialisten unmöglich gleich nach der 1. Bahn (die bei uns wg. Kanonenstart die 16. Bahn war) mit meinen Gebresten überfallen.
Folglich habe ich gehackt. Ja, das scheint mir im Rückblick die einzig mögliche Erklärung zu sein, warum mein Spiel so mäßig ausfiel: Ich hatte einen oralen Kommunikationsstau! Wenn ein Arzt im Flight ist (und ich spiele eigentlich immer mit Arzt), pflege ich mit ihm ausführlich über meine Leiden zu sprechen.
Gewöhnlich beginne ich mit der beiläufigen Bemerkung, dass es mir heute viel besser geht, weshalb ich keinen Rollstuhl benutze und das Pflegepersonal frei hat. Eine höfliche, keinesfalls fachlich gemeinte Rückfrage des Mediziners, ob es mir denn zuvor nicht gut gegangen wäre, sprengt meinem Fass sogleich den Boden aus: Dann lege ich los!
Wenn ich meine vielfältigen Beschwerden auf den nächsten Bahnen ausführlich schildern und mein Krankheitsbild in einem wortreichen Teppich ausbreiten darf, gerate ich in einen Trance-Zustand, in dem ich mein bestes Golf spiele. Fragt meinen Freund und Hausarzt Uli! Gerate ich nicht in diesen, ich nenne es mal Hypo-Flow, dann spiele ich irgendein Grottengolf, das vom schnöden Zufall bestimmt sein mag, aber keinesfalls von der schwebenden Losgelöstheit inspirierter Ekstase.
Es wäre unhöflich, meine Runde im Detail zu erzählen, nur so viel: Ich spielte mit zwei netten Damen und einem Orthopäden, einem Spezialisten für Knie und Schulter! Genau mein Thema! Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich schier platzte, aber ich konnte den Herrn Spezialisten unmöglich gleich nach der 1. Bahn (die bei uns wg. Kanonenstart die 16. Bahn war) mit meinen Gebresten überfallen.
Folglich habe ich gehackt. Ja, das scheint mir im Rückblick die einzig mögliche Erklärung zu sein, warum mein Spiel so mäßig ausfiel: Ich hatte einen oralen Kommunikationsstau! Wenn ein Arzt im Flight ist (und ich spiele eigentlich immer mit Arzt), pflege ich mit ihm ausführlich über meine Leiden zu sprechen.
Gewöhnlich beginne ich mit der beiläufigen Bemerkung, dass es mir heute viel besser geht, weshalb ich keinen Rollstuhl benutze und das Pflegepersonal frei hat. Eine höfliche, keinesfalls fachlich gemeinte Rückfrage des Mediziners, ob es mir denn zuvor nicht gut gegangen wäre, sprengt meinem Fass sogleich den Boden aus: Dann lege ich los!
Wenn ich meine vielfältigen Beschwerden auf den nächsten Bahnen ausführlich schildern und mein Krankheitsbild in einem wortreichen Teppich ausbreiten darf, gerate ich in einen Trance-Zustand, in dem ich mein bestes Golf spiele. Fragt meinen Freund und Hausarzt Uli! Gerate ich nicht in diesen, ich nenne es mal Hypo-Flow, dann spiele ich irgendein Grottengolf, das vom schnöden Zufall bestimmt sein mag, aber keinesfalls von der schwebenden Losgelöstheit inspirierter Ekstase.
Auf dieser Runde hatte sich mein Mitspieler viel zu spät und auch nur zwangsweise als Arzt geoutet. Er hat ein einstelliges Handicap, bestach durch Präzision beim Putten, hatte aber offensichtlich zu wenig Trainingsroutine um gut zu scoren, woraus ich schloss, dass es sich um einen Orthopäden handeln könnte, der sein Handwerk wirklich noch versteht. Als ich schließlich Gelegenheit hatte, meine Knie und Schulterprobleme zu erwähnen, war es für einen akzeptablen Score bereits zu spät, auch wenn es mich sogleich lockerte und ich noch zwei oder drei ordentliche Löcher spielen konnte.
Von all den schlecht getroffenen Bällen des Tages bleibt mir nur jener getoppte Drive in Erinnerung, der an einem Par 3 von ca. 200 Metern etwa 10 cm vom Loch entfernt liegen blieb. (An diesem Loch wurde auch ein Hole in One gespielt, aber da AEG Gastgeber war, kam der Schütze mit einem Schrecken davon und erhielt sogar noch einen netten Sonderpreis.)
An der vorletzten Bahn fiel uns buchstäblich der Himmel auf den Kopf und ein Wolkenbruch schwemmte uns in die nächstgelegene Schutzhütte. Es ist immer wieder interessant, wenn vier sich fremde Menschen in einer Schutzhütte zusammenhocken, ähnlich wie wenn man in einem Lift stecken bleibt. Diesmal war es angenehm und als es abtrocknete, habe ich die letzten beiden Bahnen noch mal so richtig schön vermasselt. Es ist doch gut zu wissen, dass man die schlechten Schläge nie verlernt…
An der vorletzten Bahn fiel uns buchstäblich der Himmel auf den Kopf und ein Wolkenbruch schwemmte uns in die nächstgelegene Schutzhütte. Es ist immer wieder interessant, wenn vier sich fremde Menschen in einer Schutzhütte zusammenhocken, ähnlich wie wenn man in einem Lift stecken bleibt. Diesmal war es angenehm und als es abtrocknete, habe ich die letzten beiden Bahnen noch mal so richtig schön vermasselt. Es ist doch gut zu wissen, dass man die schlechten Schläge nie verlernt…
Nach dem Turnier wurde uns ein leckeres Abendessen serviert. Es gab keine Sitzordnung, weshalb einige Gäste ihren Platz vertrauensvoll mit Iphones und Blackberries markierten, so, wie man das auf Malle mit Handtüchern auf Liegestühlen macht.
Beim Dinner wurden angenehm knappe Ansprachen gehalten, zum Beispiel vom Geschäftsführer der AEG Deutschland, Klaus Wührl.
Die Speisen waren, besonders in Anbetracht der vielen Gäste und der Enge der Räumlichkeiten beachtenswert, auf den Punkt gegart und sehr lecker!
Beim Dinner wurden angenehm knappe Ansprachen gehalten, zum Beispiel vom Geschäftsführer der AEG Deutschland, Klaus Wührl.Die Speisen waren, besonders in Anbetracht der vielen Gäste und der Enge der Räumlichkeiten beachtenswert, auf den Punkt gegart und sehr lecker!
Zwischen den Gängen demonstrierte Stefan Marquard auf der Terrasse in einer Free-Style-Kochshow, „wie raffinierte Köstlichkeiten spielend leicht zubereitet werden“. Dabei stand ich immer wieder mit Jan Förster zusammen, der mir einen Bundesligamannschafts-Youngster und natürlich seine hübsche Freundin vorstellte.
Manchmal wünschte ich mir, ich könnte, wie der Kollege Scheffler von der FAZ, mit Gehalt und Spesen ausgestattet, so über den Golfsport schreiben, wie ich mir das vorstelle. Ich würde zum Beispiel erkunden, wie manche Pros arbeiten (und wie sie z.B. Zacharias verdauen) oder würde gerne mit vielversprechenden jungen Spielern eine Runde drehen und zwar bevor sie berühmt werden und für unsereins nicht mehr greifbar sind.
Mich interessiert zum Beispiel, warum es bei unseren jungen Cracks allzu oft nicht mehr weitergeht, von Kaymer mal abgesehen. Solche Texte, die viel Zeit brauchen, sind jedoch letztendlich eine Budget-Frage. Deshalb hatte ich das Thema mal bei Erwin Langers Büro, aber auch bei der PGA angesprochen. Leider gab es keinerlei Resonanz. Hoffnungsfrohe Talente sind offensichtlich kein Thema, es sei denn, sie sind Fußballer und treten bei einem Promi-Event an. Über Golf in Deutschland schreiben heißt, bis auf wenige Ausnahmen, dünne PR-Artikel abliefern und das war´s. Also bin ich froh, dass ich meinen Blog habe und hier schreiben darf, wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Nach dem Dinner trat ich durch die Hintertür in den kleinen „Biergarten“ hinter dem Clubhaus. Bäume, Büsche und Gräser leuchteten in jenem unwirklichen Licht, das sich nur einstellt, wenn sich Regenschauer, Abendsonne und ein guter Weißwein in magischer Alchemie verbinden. Jasmin-Duft schwebte vorbei. Die Gäste hatten sich um den Meister geschart, der darüber referierte, wie sinnlos es sei, Spargel mit zu viel Wasser zu kochen. Ich schritt durch den glitzernden Zaubergarten zur 18. Bahn. Smaragdgrün leuchtende Tropfen schillerten und fielen herab, als ich einen Ast streifte. Eine Amsel sang. Plötzlich wusste ich wieder, warum ich gerne Golfer bin.
Ihr / Euer
Eugen Pletsch














