Mein Blog von letzter Woche, „Platzt die Spielerblase“, bezog sich auf eine Pressemeldung von Dr. Falk Billion und befasste sich mit der Fehlentwicklung des Golfsports in Deutschland. Dazu hat es zwei interessante Beiträge gegeben, die ich Euch / Ihnen nicht vorenthalten möchte. Natürlich gab es dazu keinen Kommentar vom DGV, der sich die Welt der kleinen Leute fern von seinem Mond aus betrachtet, unbehelligt von jedwedem Hundegeheul. Das ist bedauerlich, da ich seit fast 20 Jahren immer wieder versucht habe, einen konstruktiven Dialog anzuregen. Zugegeben: Zuerst waren meine Beiträge wütend, dann polemisch, mittlerweile habe ich resigniert, wie die meisten, die längere Zeit „dabei sind“. Dabei hatte ich zuletzt gehofft, dass die bornierte Ignoranz, die der DGV so viele Jahre wie ein Banner vor sich hertrug, mit den Umwälzungen der letzten Zeit ein Ende haben würde. Leider mehren sich die Zeichen, dass die anstehenden Veränderungen eher den Macht- und Profilierungsinteressen Einzelner dienen, als dem Nutzen aller GolfspielerInnen.
Meinen letzten Blog kommentierte Dr. Falk Billion wie folgt:
„Sie treffen damit den Nagel auf den Kopf. Dem DGV ist völlig wurscht, wer mit einem DGV-Ausweis durch die Gegend läuft. Hauptsache, der Ausweis wird bezahlt und 16,50 € wandern in die Schatulle des DGV, der mit dieser Kohle seine nicht immer nur sinnvollen (um es vorsichtig auszudrücken) Aktivitäten finanziert. Und den zahlreichen Ausweishändlern die Grundlage für ihr dubioses Geschäftsmodell auf dem Silbertablett präsentiert.“
„Lieber Herr Pletsch,
herzlichen Dank für diesen Blog Beitrag, der mir aus den tiefsten Gründen meiner Seele spricht. Vielleicht sind meine Anfänge durchaus typisch für den Start in den Sport (in meinem Fall die Sucht) Golf. Platzreifekurs in einer Driving Range. Nach einigen Prostunden (ich glaube es waren 12) und diversen autodidaktischen Einheiten á 100 Bälle aus der 3. Ebene (hier keine Hölzer benutzen!) folgten 9 Loch Runde auf einem Golfplatz in der Nähe. Im frühen Morgengrauen mit einem hyperaktiven "Junior-Pro", der die Herde antreibt und die Bälle im Rough sucht. Eine Woche später folgte die "Platzreife Prüfung" bei der man 12 Stablefordpunkte (Basis: StVg. -54) auf 9 Löcher zusammen spielen muss. Das schafft jeder Bewegungslegastheniker mit 2 Promille.
Abnehmer für derart "vorbereitete" "Golfspieler" gibt es in einer Großstadt wie Hamburg reichlich. In meinem Fall war es ein Golfpark, mehr oder weniger von einem ungebremsten Expanisonsdrang getrieben. Immerhin fand ich mich mit meiner "Ausbildung" in als Teil einer Schicksalsgemeinschaft, denn auch die potenziellen Filghtpartner verbrachten die Runden eher im Unterholz als auf der Spielbahn. Die Folge: Bei erträglichem Wetter an den Wochenenden 60 - 90 Minuten Wartezeit am ersten Tee (Startzeiten werden keine vergeben, das könnte zahlende Hacker vergraulen) und Spielzeiten von 5 1/2 Stunden für 18 Loch Par 68. Der Platz misst keine 5000 Meter für 18 Loch und ist flach wie ein Brett.
Die wenigsten der Spieler dort verspüren den Drang, jemals ein Turnier zu spielen oder gar ihr Spiel zu verbessern. Die Pros verdienen Ihr Geld zu 80% mit Platzreifekursen. Auffällig allerdings die frisch gepflegten SUVs der neuesten Generation auf dem Parkplatz, der Gebrauch von iPhones oder Blackberries (Ja, es soll auch Scorecard Apps für diese Dinger geben, aber die wurden mit Sicherheit nicht benutzt!), und die vorzugsweise neueste Generation von Golfschlägern namhafter Hersteller mit gewissem "Prestige Wert". Auf den sechs Turnieren, in denen ich mein Handicap in 2 Jahren auf 25 runtergespielt habe, begrüßten sich dieselben ca. 30 Kandidaten regelmäßig mit Handschlag. Der Club hat ca. 900 Mitglieder. Schmankerl am Rande: Die Motivation für die samstägliche Turnierrunde war nicht selten die Aussicht "ohne ewige Wartezeiten eine vernünftige Runde Golf zu spielen".
Für mich bestand die Lösung darin, das Bett an den Sonntagen 6 Uhr zu verlassen und der erste auf dem Platz zu sein. Einige Leidensgenossen, nicht selten die Mitglieder, die tags zuvor auch Turnier gespielt haben, hatten zufälligerweise die gleiche Idee. Auf diesen Runden habe ich mehr Spaß gehabt und mir von den besseren Spielen mehr abgeschaut als im ganzen Platzreifekurs. Nebenbei waren die zum Golf spielen und nicht zum Angeben gekommen. Entsprechend gestalteten sich die Unterhaltungen auf der Runde, die meistens kurzweilig waren. Man hat ja leider keinen Einfluss auf die Flights am Sonntag bei schönem Wetter, aber die "Michael Ammer Quote" war recht hoch. Entsprechend oft haben mir diese angeberischen Kotzbrocken meine Wochenendrunden vermisst ("Darling, das war ja wieder ein ganz toller Schlag! Ich hab Dir gleich gesagt, dass du mit dem neuen Wedge jeden Ball aus dem Bunker bekommst!" Leider hat "Darling" ein Eisen 8 benutzt, den Ball ohne den spärlich vorhandenen Sand getroffen und gegenüber ins Biotop geschlagen. Was sie nicht davon abhält, von da weiter zu spielen und den Schläger in der Ansprechposition aufzusetzen).
Vielleicht fand "Darling" auf Amazon Ihr Buch nicht so toll? Ich jedenfalls habe mich köstlich amüsiert. Wer sich in einer Karikatur wieder erkennt, reagiert nicht selten beleidigt. Bitte bleiben Sie weiter polemisch!
P.S.: Dem Golfpark kehre ich in diesem Jahr den Rücken, zu einem hologrammfreien Greefeegolfer mutierend. Als Bursche auf Wanderschaft soll man ja ein spannendes Leben mit lehrreichen Erfahrungen führen.“
Soweit Benno aus Hamburg. Vielen Dank.
Ich möchte nochmal erwähnen, dass ich keine Blog-Software nutze, weshalb es keine Kommentarfunktion gibt. Aber ich bin via Redaktion(ätt)Cybergolf.de jederzeit erreichbar, selbst wenn es mir nicht immer möglich ist, in aller Ausführlichkeit zu antworten.
Wer sich auf Cybergolf.de registriert, hat ohnehin die Möglichkeit, Textbeiträge zu verfassen oder Links einzustellen.
Herzliche Grüße
Eugen Pletsch
P.S. Ach ja - und noch was: Cybergolf ist zwar ein unabhängiges Golfportal, ist aber von der Zielsetzung her kein Nonprofit-Unternehmen (auch wenn es das faktisch ist). Ich habe jetzt fast 15 Jahre reingebuttert und irgendwann muss der Spaß auch mal Erträge bringen, damit ich mich entspannt ans nächste Buch setzen kann. Deshalb experimentieren wir derzeit in Zusammenarbeit mit einer Agentur, die Werbeflächen neu zu beleben. Es gibt weiterhin keine PopUps und ähnlichen Mist, aber ein bisschen Banner muss sein. Ich hoffe, dass Ihr die Werbepartner, die diese Website stützen, (siehe auch GolfPlaza) bei Euren Kaufentscheidungen zumindest beachtet. Die Alternative wäre, dass alle Leser, die an meinem Texten Spaß haben,10.- oder 20.- € pro Jahr überweisen. Dann könnte ich mich gänzlich werbefrei dem Schreiben widmen. Meine Kontonummer findet Ihr im Impressum ;-)














