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Notizen von Eugen Pletsch

Platzt die Spieler-Blase?

Was bin ich froh, dass wir mit Dr. Falk Billion einen öffentlich bestellten und vereidigten Golfsachverständigen haben. Wenn der etwas veröffentlicht, dann macht er das mit unwiderlegbarem Zahlenmaterial, während meine ähnlichen Schlussfolgerungen nur vage Vermutungen und wirre Beobachtungen sind, die mir durch meine trüben Sinne dümpeln.
Dabei hätte ich Billions Pressemeldung „Platzt die „Spieler-“Blase“ beinahe in den Papierkorb geklickt. Nur ein Interpretationsfehler ließ mich aufmerken.
„Platzt die „Spieler-“Blase?“. Spricht er vom Tabu des Harndrangs auf Golfplätzen, das ich in „Endlich einstellig!“ansprach? Was, wenn wir müssen, aber nicht wissen wo? Die Problematik der erreichbaren Toiletten ist auf Golfplätzen mit Baumbestand für Männer nicht so gravierend – und Damen müssen ja nicht so oft, heißt es allgemein. Dabei haben nicht nur Männer, sondern auch Damen ab einem gewissen Alter durchaus ihre Probleme mit dem „Halten können“ und manche spielen nicht mehr, weil es erst am Halfwayhaus eine Toilette gibt, was zu spät wäre. Andere trinken nichts auf der Runde, was dazu führt, dass sie im Sommer nach einigen Bahnen dehydriert sind und keinen Ball mehr treffen. Wer sich im buschlosen Flachland nach einigen Dosen Bier nicht anstößig aufführen will, muss sich bald fragen: Platzt die „Spieler-“Blase?
Als ich die Meldung schließlich las, verstand ich, dass Dr. Falk Billion keinen urologischen Notstand analysiert, sondern die Fehlentwicklung des Golfsports in Deutschland, über die ich mir auch schon länger Gedanken mache.
Er beschäftigt sich mit der interessanten Frage, warum in Deutschland immer weniger Runden gespielt werden, obwohl wir immer mehr Golfspieler haben. Dr. Billion schreibt:
Nach den Zahlen des Betriebsvergleichs des DGV für 18-Löcher-Plätze stagnieren die Umsatzerlöse. Die Zahl der gespielten Golfrunden sinkt sogar! Es will scheinen, als ob ein zunehmender Anteil der so genannten „Spieler“ nicht wirklich häufig Golf „spielt“ und auch nicht mehr allzu viel Geld dafür ausgibt.“
 
Wie kommt das? werdet Ihr Euch fragen. Tja, auch wenn meine Ansichten nur vage Vermutungen und wirre Beobachtungen sind, die mir durch meine trüben Sinne dümpeln, möchte ich doch meinen, dass ich dazu bereits einige Antworten formuliert habe, die in der komplett überarbeiteten Neuausgabe vom „Weg der weißen Kugel“ nachlesbar sein werden, die im März 2011 erscheint.
Der „WEG“ wurde kürzlich, vielleicht nicht zu Unrecht, von einem Amazon-Rezensenten als „arrogant, überheblich, ignorant und beleidigend“ bezeichnet und ich als „blöd quasselnder, egoistischer Ignorant“, der „den Sport kaputt macht“. Wenn das kein Grund ist, den „WEG“ zu kaufen?
Wer es nicht abwarten kann oder die Neuausgabe vom „WEG“ nicht kaufen möchte (weil das Buch „an keiner Stelle witzig ist, außer man teilt die Überheblichkeit des Autors“), kann das Kapitel „Von der Warteliste zum Golfführerschein“ hier einsehen. Light-Leser, die auch dafür keine Zeit haben, zum Beispiel weil sie „multioptional“ orientiert auf zu vielen Webseiten stöbern wollen, um meinen Text richtig zu lesen, finden meine Ansichten, warum immer weniger Runden gespielt werden, obwohl es immer mehr „Spieler“ gibt, in den nachfolgenden Punkten zusammengefasst:
 
1.)   Mit „Golfspieler“ werden DGV-Ausweisinhaber jedweder Spielfähigkeit bezeichnet. Damit sind statistisch auch die Light-Golfer erfasst, die ich auf meine überhebliche Weise diskriminierend als „Generation Platzreife“ bezeichne. Sie sind gemäß einem Strategiepapier des Deutschen Golfverbandes „multioptional“ orientiert, d.h. sie wollen auf jeder Hochzeit ein bisschen tanzen und haben deshalb zu wenig Zeit, um das Golfspiel richtig zu lernen. Sie sind wie Frauen, die mal ein paar Wochen schwanger sein wollen, „um zu sehen wie das ist“. Sie wollen nur „hin und wieder spielen“. Also kaufen sie sich ihre „Platzreife“ bei einem der geschäftstüchtigen Frettchen, die mit oder ohne PGA-Diplom im In- und Ausland ihr Unwesen treiben.
 
2.)   Handicap 36 ist kein Muss mehr, Handicap 54 reicht. Diese „Erleichterung“ hat dafür gesorgt, dass Spieler nach „Erlangung“ der Platzreife keine Stunden mehr nehmen und immer mehr Hacker die Plätze überschwemmen. Sogar der DGV konstatiert in besagtem Positionspapier:
Mit der Zunahme der Anzahl der Golfspieler in Deutschland und einem breiten Golfangebot geht eine Abschwächung der den Golfsport in der Vergangenheit prägenden traditionellen Werte einher. Die Bedeutung der Regeln, der Etikette, einer qualitativ hochwertigen Platzerlaubnis und des gepflegten Umgangs miteinander sowie des sicheren Spiels auf der Golfanlage nimmt, jedenfalls bei einer Gesamtbetrachtung, nicht selten ab. Insbesondere Golfregeln und Etikette werden mitunter nur noch als „grober Anhalt“ betrachtet. Der Golfsport droht damit in vielen Fällen, sein ihn prägendes Fundament zu verlieren.“
 
3.)   Sie wissen es also, die Strategen vom DGV und machen trotzdem so weiter, wie bisher. Sie suchen Wachstum um jeden Preis, weil sie die Interessen der Clubs und nicht die der Spieler vertreten. Noch mal: Mitglieder des DGV sind die Landesverbände, in denen die Clubs und Betreibergesellschaften organisiert sind. Die haben (mittlerweile) gänzlich andere Interessen, als die Mitglieder der Golfclubs.
 
4.)   Durch den Wahn vom Wachstum sinkt die Spielfähigkeit, während sich die Spieldauer gleichzeitig erhöht – falls die „Light-Golfer“ denn tatsächlich spielen. Offensichtlich reicht vielen der Besitz eines „Golfführerschein“ und der damit verbundene DGV-Ausweis als Statussymbol aus. Sich auf kostspieligen Runden durch den Matsch zu quälen, ist nicht jedermann/fraus Sache. Und wenn doch, dann ohne jedwede Spielfähigkeit, Etikette, geschweige denn Regelkenntnis.
 
5.)   Das sorgt wiederum dafür, dass auch ambitionierte Golfer die Schnauze voll haben. Sie spielen weniger, weil sie sich das nicht mehr antun wollen. Für die „Rumsteherei“ ist ihnen ihre Zeit zu schade. Bei Turnieren wird zudem der (mittlerweile gesellschaftsfähige) Betrug immer relevanter. Wobei: Betrug kann man es nicht mal nennen, weil die Regelkenntnis so vollkommen im Eimer ist, dass viele SpielerInnen es gar nicht wissen, wenn sie betrügen.
 
6.)   Und schließlich: Klamme Clubs bzw. ihre Betreiber sind gezwungen, den Platz so oft wie möglich zu vermieten. Auch das machen viele Mitglieder nicht mehr mit. Wer noch im Berufsleben steht und in der Woche nicht spielen kann, bekommt einen Hals, wenn der Platz am Wochenende mal wieder wegen eines „Events“ gesperrt ist.
 
Reicht das? Ich habe noch zwei wirklich spannende Thesen, nämlich dass die Deutschen bald aussterben, weil junge Menschen keinen Arsch mehr in der Hose haben (fiel mir auf der Rheingolf auf) und weil Erdbeben und drohende Vulkanausbrüche besonders bei uns in Hessen dafür sorgen, dass immer mehr Spieler Angst haben, auf den Platz zu gehen. Diese Thesen werde ich, wenn Ihr Pech habt, vielleicht nächste Woche ausführen…
 
Feucht-kalte Sonntagsgrüße
 
Eugen

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