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Notizen von Eugen Pletsch

Lasst 100 Fairways blühen!

Sagt mir nix gegen die Deutsche Bundesbahn. Die Mehdorn-Mutanten haben meine Reise nach Stuttgart wirklich sauber gestemmt. Keine Minute Verspätung. Muss ja auch mal gesagt werden, oder? Und als ich auf der Rückreise mit meinem Sparticket einen früheren Zug bestieg, gab es auch keine Querelen von wegen Nachzahlen oder so. Nein – die kleine, blaue Maus mit der bunten Schärpe ließ mich dicke, graue Maus mal schön in Ruhe, vielleicht weil mir der Stresshypertoniker rot leuchtend ins Gesicht geschrieben stand.
Tja, mein Besuch auf der CMT mit ihrer Golf und WellnessReisen Ausstellung in Halle 9 war nicht so berauschend, was nicht an der Messe oder dem Mangel an Rauschmitteln lag, sondern an meinem instabilen Kreislauf. Also schleppte ich mich wackelig durch die Halle. Hatte mich die letzte halbe Stunde des „Pressetalks“, die ich noch genießen durfte, so mitgenommen? Oder hätte ich mir erst mal im Pressezentrum den Bauch voll schlagen sollen? Jedenfalls war mir ziemlich mulmig. Dank der Leckereien am Stand von www.golfplatz-gardasee.de, einer Brotzeit bei den Österreichern vom www.hotelnetzwerk.at und der Magnetkraft von www.best-service.de kam ich schließlich wieder zu Kräften.
 
Ach ja, die Experten vom „Pressetalk“ – das ist einfach eine andere Welt. Wie können die Medien den Golfsport populärer machen, fragte man sich. Vielleicht bräuchte es noch mehr prominente Schummler, die frisch erwischt für Schlagzeilen sorgen könnten? (Aber wer sollte wen erwischen, wo es da draußen kaum noch ein Regelwerk gibt, das Beachtung findet…).
„Irgendwie ist der Golfsport ja eine verdammt langweilige Sache“ sagte jemand. „Schwer zu vermitteln“ nickte ein Zweiter. „Und Kaymer?“ fragte ein Dritter. „Ja, ein Gottesgeschenk, aber er hat noch nicht das Charisma eines Weltstars“, meinte der Vierte. Grübel, grübel …

Könnte man Kaymer nicht irgendeinen fetten Skandal unterjubeln? Der ist einfach zu nett und brav. Seit heute hat er Woods überholt, aber nur in der Weltrangliste. Wen interessiert das schon in Deutschland? Das ist Medial nicht zu gebrauchen. Haben wir unter unseren Profigolfern keinen Killer, Drogenhändler, Pornodarsteller oder wenigstens Steuerhinterzieher wie im Amateurgolfsport?  Es muss doch irgendwas geben, was diesen extrem langweiligen Halbsport für die Medien tauglich machen könnte.

Auch die Experten-Runde dachte nach. Hm? Vielleicht sollte man das Golfspiel verändern? Jetzt kam Leben in die Bude: Eine Art Vierschanzen-Golf? Warum nicht. Man müßte nur die Regeln verändern.
 
Ein Golfduell? überlegte ich. Vier Spieler schießen auf 200 Meter aufeinander. Bräuchte nicht so viele Kameras und wäre doch spannender, oder? Was ist mit B. Langer? Der wird immer schmallippiger. Wenn der sich Botox in die Lippen spritzen würde, damit die Medien etwas zu berichten hätten, das wärs doch, oder? Aber mich fragt ja keiner.
 
Nee, so richtig echt alle Regeln ändern, das geht nicht, meinte die kluge Frau Thannhäuser vom DGV, die wohl noch in Erinnerungen hat, was es mit dem Golfsport mal auf sich hatte. Da wäre sie dagegen. Na gut, dann nicht.

Offensichtlich dreht sich alles darum, dass man den Golfsport um jeden Preis populärer machen muss. Warum eigentlich? Damit noch mehr Light-Golfer in einem Dritthobby dilettieren können? Ich kapiere das alles nicht mehr.

Nach der Runde spreche ich den Vertreter von Sky an. Ja, man habe beim letzten Ryder Cup alle Online-Übertragungen dicht gemacht und die Server abgeschossen. Piraten, Datenräuber – da muss der Lizenzgeber einschreiten. Schließlich habe man eine siebenstellige Summe für die Rechte zahlen müssen. Ja, die Rechte. Dass es sich vermutlich nur um winzige Minderheit von Golffreaks handelte, echte Fans, gerade die, die man als Multiplikatoren bräuchte, ließ er nicht gelten. Alles Daten-Piraten. Seine Kollegen hatten zuvor in der Runde moniert, dass Beckers Wimbledon-Effekt nicht eintreten könnte, solange die Öffentlich-Rechtlichen nicht über Golf berichten würden. So sehe ich das auch. Aber Sky hat die Rechte und es ist ihr Geschäftszweck, Abonnenten zu gewinnen. Offensichtlich geht die ganze Truppe lieber Konkurs, als dass sie von ihren Prinzipien abweicht und den Golfsport durch freie Ausstrahlung populär macht. Na gut, selbst wenn, wäre da noch das Problem Myskow. Aber man könnte dann wenigstens auf englische Sprache umschalten. Ich würde Sky sogar abonnieren, aber ich will nun mal nur Golf und weder ein Sportpaket, noch die ganze andere „Unterhaltung“. Also gehe ich lieber auf den Platz und spiele eine Runde. Ist auch gesünder.

Viel interessanter als mediale Verwurschtungsstrategien des Golfsports war für mich ein Gespräch mit Herrn Walter vom Golfoase Pfullinger Hof. Neben guten Scores erzeugen sie dort auch Wein und Honig. Ein Glas Honig von eigenen Bienen, das mir im Herbst bei einem Besuch im Golfclub Schloss Braunfels geschenkt wurde, brachte mich darauf, eine seit Jahren gehegte Idee zu durchdenken. Wäre es nicht schön, fragte ich mich, wenn viel mehr Golfclubs in den Brachen und überall wo Platz ist, mehr Blütenpflanzen anbauen würden? Die Biene wird seit Jahren durch Milben, Pestizide und Gentechnik bedroht. Als ich vor ein paar Jahren in Kanada war, waren ca. 80 % der Bienenbestände an der Ost- und Westküste der USA zusammengebrochen. Aber ohne Biene kein Golf! Einstein sagte mal, dass die Menschheit ohne die Bienen höchstens noch sieben Jahre existieren könnte.
Also habe ich mir eine Aktion ausgedacht, die da heißen könnte: „Lasst hundert Fairways blühen“, bei der alle ökologisch interessierten Golfclubs Bilder von ihren Bienenweiden schicken und die schönsten Bilder werden dann mit Informationen zum Thema ins Internet gestellt und evtl. prämiert. Diese Idee erzählte ich Marcus und Oskar Brunnthaler von GOLFTIME, die das für eine gute Idee hielten und dann erzählte ich es Herrn Biber vom DGV, der das auch interessant fand. Zwischen den Jahren ist erst mal nix passiert, aber vielleicht passiert noch was, denn immerhin hat die Umweltschutzorganisation AVAAZ gerade kürzlich eine Riesenaktion für die Biene gestartet und in wenigen Tagen mehr als eine Million Zuschriften gesammelt. Ich finde, dass es gut für das Image des Golfsports wäre, wenn wir etwas für die Bienen tun würden. Bei meinen Auftritten im letzten Sommer in Baden-Württemberg habe ich auf den Golfplätzen herrliche Biotope gesehen, aber es gibt noch jede Menge Platz für Blumenkästen, für Bienenweiden und Blütenflächen.
Was wir auf den Golfplätzen machen könnten, ist durch das Konzept „Blühende Landschaften“ ziemlich genau beschrieben, wobei die Handlungsanweisungen vielleicht für Golfclubs modifiziert werden müssten. Aber ich bin sicher, dass uns Thomas Radetzki vom Vorstand des Vereins Mellifera e.V. www.mellifera.de dabei behilflich sein wird, der bei der Gelegenheit auch die Problematik der gentechnischen Kontamination des Honigs erläutern sollte, die leider unaufhaltbar erscheint.

(Das ist jetzt der richtige Moment auf den sensationellen Enthüllungskrimi „Monsanto auf Deutsch“ von Gentechnikgegner Jörg Bergstedt hinzuweisen, der seine sechsmonatige Haftzeit wegen „Feldbefreiung“ nutzte, um dieses außergewöhnliches Werk über die Machenschaften der Gentechnik-Mafia zu verfassen.)

Aber auch das AVAAZ-Mailing nennt Ross und Reiter: „Zahlreiche wissenschaftliche Studien machen eine bestimmte Gruppe von Pestiziden für das Bienensterben verantwortlich. Das Verbot dieses Gifts führte zu einer Erholung einzelner Bienenvölker in den Ländern, die das Gift verboten haben. Doch mächtige Chemiekonzerne betreiben aufwändige Lobbyarbeit, damit der Verkauf dieser Gifte weiterhin erlaubt bleibt.
(…) Bienen sind ausschlaggebend für das Leben auf der Erde. (…) Mehr und mehr unabhängige wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass die Verwendung von Pestiziden der Gruppe der Neonicotinoide dafür (das Aussterben der Bienen) verantwortlich sind. Bienenzüchter und Wissenschaftler in Frankreich, Italien, Slovenien und sogar Deutschland, wo der Hauptproduzent Bayer seinen Sitz hat, haben bereits für ein Verbot der Produkte, welche auf diesen Chemikalien basieren, plädiert. Doch Bayer exportiert weiterhin sein Gift in die ganze Welt. (…) Ein veröffentlichtes Geheimdokument zeigt, dass die amerikanische Umweltschutzbehörde über die Gefahren dieser Pestizide Bescheid wusste und sie ignorierte. Das Dokument besagt, dass Bayers "hochgiftiges" Produkt eine "große Gefahr für andere Insekten [Honigbienen] darstellt."

AVAAZ bezweckt mit seiner Aktion, dem starkem Einfluss von Bayer auf Entscheidungsträger in den USA und innerhalb der EU entgegenzuwirken, wo das Unternehmen Studien finanziert und in politischen Gremien vertreten ist: AVAAZ: „Wir können unsere empfindliche Nahrungskette nicht mehr der Forschung von Chemieunternehmen anvertrauen, die die Regulierungsbehörden in ihrer Gewalt haben.“ Dem kann ich mich nur anschließen und hoffen, dass viele Clubs mitmachen, wenn es heißt: „Lasst hundert Fairway blühen“.
 
Ihr / Euer
Eugen Pletsch
Biotop_mit_Bl__ten.jpg
 
Weitere Infos:
Pestizide für Bienensterben verantwortlich
http://www.n24.de/news/newsitem_1150265.html

Die Wissenschaft streitet - die Bienen sterben
http://www.imkerdemo.de/2010/06/die-wissenschaft-streitet-die-bienen-sterben

Fataler Pflanzenschutz
http://www.sueddeutsche.de/wissen/bienensterben-fataler-pflanzenschutz-1.202266

Verbot von Pestiziden wegen Bienensterben gefordert
http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/beizmittel_bienen_1.2441182.html

Bienensterben -- Wie kann man es stoppen?
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=60771&key=standard_document_39713251

Eine Mitteilung der EPA offenbart, dass Pflanzenschutzmittel den Völkerkollaps verursachen
http://www.sfgate.com/cgi-bin/blogs/green/detail?entry_id=79910


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