Wie es im Kloster war? Schön war´s, interessant war´s. Man fährt da hin, um endlich zur Besinnung zu kommen. Kam ich zur Besinnung? Ich würde sagen: Ja. Bisher kannte ich nur den Benediktushof von Pater Willigs Jäger, dessen Angebot transpersonaler Erfahrung hauptsächlich ZEN-Leute erreicht. Ich hatte dort Kurse von Meister Kuwahara gebucht, um mehr vom PinselZenWeg zu erfahren. So richtig echt im Kloster war ich also noch nicht, wenn ich von einer Übernachtung vor 40 Jahren irgendwo in den französischen Alpen absehe, bei der ich auf einer Tramp-Reise in einem Kloster übernachtet hatte. Aber ich hatte schon öfter von gestressten Zeitgenossen gehört, die sich auf ein spirituelles Wellnessprogramm mit gehobenem Entsagungsfaktor einließen. Wer möchte schon im Slalom des Lebenslaufs die Zielgerade verpassen? Schon gar nicht in der Endphase des Rennens. Also trifft man sich mit Profis – das ist an sich nichts Neues. Den Tipp, nach Eggenfelden zu fahren, bekam ich auf der Reise zur Golf Europe in München. Meine derzeitige Entschleunigung, Mondis Tod, mein Knie, alles schien irgendwie zusammenzuhängen, weshalb ich dort anfragte. Obwohl man sonst mit ca. 4-6 Wochen Vorlaufzeit rechnen muss, durfte ich durch Seinen unergründlichen Ratschluss früher losfahren. Also stellte ich meinen Drahtesel ab, sicherte ihn meinem unergründlichen Radschloss und so begann jene Expedition, die mich nach einer achtstündigen Zug-Reise schließlich nach Eggenfelden führte. (Details werde ich jetzt nicht ausführen, ich denke aber über einen neuen Blog nach: Nachrichten aus der Ruhezone.) Dort, im niederbayrischen Hügelland am Oberlauf der Rott, steht das Kloster und die franziskanischen „Minderbrüder“ bieten Interessierten an, in Haus und Garten mitzuarbeiten, verschiedene Gebetsformen auszuprobieren, Stille zu erleben, aber auch, "um sich durch Reden und Zuhören gegenseitig auszutauschen". Ihr Haus habe „Null-Sterne-Minus“, schrieb mir Bruder Josef, der auf meine Mailanfrage schnell, humorvoll und kompetent reagiert hatte. Und in der Tat stellte sich bald heraus, dass das Leben unter den Franziskanern von Eggenfelden anders ist, als sonstige klösterlich-geistliche Vollpensionskonzepte, von denen ich bisher gehört hatte.

- Franziskanerkloster Eggenfelden
Ich werde die Tage nicht im Detail beschreiben, nur so viel: Ich durfte sein, denken und glauben was ich wollte. Niemand redete mir rein oder zwang mir seinen Glauben auf. Toleranz, Offenheit und Freizügigkeit des Geistes (die ich bei manchen Christen oft als aufgesetzte Marketing-Strategie erlebt habe), sind bei den Eggenfeldener Brüdern kein Kalkül. Stattdessen sind sie von Gläubigkeit, Herzenswärme und einem feinsinnigen Humor erfüllt. Manchmal beim Essen hörte ich Dialoge, die aus einem Achternbusch-Film hätten stammen können. Köstlich. Ansonsten wird gebetet, gearbeitet – und dabei oft gelacht. Die Unterbringung ist schlicht - mein Herz war dankbar, mein Schlaf tief. Die deftige bayrische Küche trifft nicht unbedingt den Genussnerv sensibler Vegetarier, aber wer gute Hausmannskost von traditioneller Zubereitung und Qualität schätzt, wird sich hier des Öfteren die Finger lecken. Die meisten Informationen über die Franziskaner in Eggenfelden bietet deren informative Internetseite. Was die Seite nicht beschreibt, ist das gemütliche Zusammensein in der Küche, die familiäre Atmosphäre und die guten Gespräche frei von jedweder abgehobener oder gar frömmelnder „Geistigkeit“. Die Teilnahme an den Gebetszeiten und Gottesdiensten wird erwartet, ist aber kein Muss. Ich habe es mitgemacht, da mir die katholische Welt mit ihren Ritualen und Handlungen bislang vollkommen fremd war, aber ich musste mich dabei nicht verbiegen. Geschadet hat es mir sicher nicht. Zu meiner großen Verwunderung wurden meine kritischen und politischen „Vorurteile“, besonders bezüglich mancher Handlungen der Kirche jetzt und früher, nicht schön geredet. Ähnlich verblüfft haben mich auch die gesellschaftskritischen Artikel der katholische Zeitschrift „Publik-Forum“, die ein anderer Gast mitgebracht hatte. Und Golf? Nun, mein Knie war nicht besser geworden und so saß ich meist in der warmen Küche, schnippelte Gemüse oder rechte im Garten Laub und fegte die klostereigene, halboffene Kegelbahn (!). Doch dann, am Freitag, hieß es, wir hätten „frei“ und so machte mich auf, um dem vagen Hinweis zu folgen, nachdem es „nicht weit weg“ einen Golfplatz gäbe. Mangels Auto versuchte ich zu trampen. Warum nicht? Ich habe 40 Jahre unfallfreies per Anhalter fahren hinter mir.
Der erste Wagen hielt, was vermutlich mit dem vertrauenswürdigen Aussehen des leicht gehbehinderten Senioren zusammenhängt, zu dem ich mittlerweile mutiert bin. Ein netter junger Schreiner nahm mich mit. Er habe in Bad Griesbach im Clubhaus des Beckenbauer-Platzes mitgearbeitet, erzählte er. (Bad Griesbach habe ich noch nie besucht, aber evtl. werde ich es mal im Frühjahr in Verbindung mit einer Lesung schaffen. Immerhin sah ich einige Plätze vom Zug aus). Der junge Mann setzte mich an einer Abfahrt ab, von der aus es nicht mehr weit wäre. „Weit“ ist relativ, je nachdem, ob man ein flottes Auto fährt oder zu Fuß die Straße entlang hinkt. Mir war das jedoch egal. Es war ein herrlicher, sonniger, klarer Herbsttag und ich lief und lief … bis ich irgendwann misstrauisch wurde, ob das wirklich die richtige Richtung war. Kein Mensch, kein Auto. Endlich kam ich zu ein paar Häusern und Menschen. Ich fragte nach – ja, da ginge es zum Golfplatz. Sekunden später öffnete ein anderer junger Handwerker seinen Wagen und fuhr mich den letzten Kilometer zum Rottaler Golfclub.

- Rottaler Golfclub
Nun ist es nicht so, dass alle Golfclubs dieser Welt darauf warten, dass der Herr Pletsch mal hereinschaut. Im Gegenteil. Selbst da, wo Einladungen ausgesprochen werden, sind Clubmanager manchmal auf Grund vielfältiger Verpflichtungen, tragischer Zeitknappheit oder genauer gesagt, weil sie den Termin verbaselt haben – nicht in der Lage, sich einen kurzen Moment für ein Gespräch frei zu machen. Wie angenehm war dagegen mein Besuch bei Herrn Sommer im Golfclub Schloss Braunfels vor einer Woche, oder jetzt im Rottaler Golfclub, wo ich mich sofort willkommen fühlte. Ich hatte mich im Sekretariat angemeldet und nach wenigen Minuten erschien Geschäftsführer Herr Ellinger. Er ist ein Mann vom alten Schrot und Korn, der seinem Club seit vielen Jahren dient und das scheint dem ältesten Club der Region nicht geschadet zu haben. Herr Ellinger lud mich zu einem Cappuccino ein, nahm sich Zeit und erzählte mir von der golferischen Entwicklung der Region. Der Rottaler Golfclub ist "gesund", wie er meinte und man ist auch nicht so sehr auf Prominente fixiert, wie in anderen Clubs. Die gäbe es zwar auch, aber sie würden den vollen Clubbeitrag zahlen und die Ruhe genießen, die man ihnen lässt. Wenn ich das nächste Mal im Rottal wäre, solle ich den Platz spielen, bot er mir an. Das werde ich gerne tun, denn nachdem wir unser Gespräch beendet hatten, schaute ich mich noch eine Weile um, und was ich sah, gefiel mir. Der weitläufige Parkland-Course glitzerte in der herbstlichen Abendsonne und die alte Wunde fing an zu jucken. Aber anstatt mir Schläger zu leihen, dachte ich daran, dass um 18 Uhr die Vesper beginnt, zu der ich zurück sein wollte und so fuhr mich der nette Eggenfelder Clubassistent zurück, wodurch ich meinen Aufgaben als Vorspüler in der Klosterküche pünktlich nachkommen konnte.
Eugen Pletsch














