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Notizen von Eugen Pletsch

Vom Outfitting und Swingfitting!

Der Sommer ist da! Der Clubmanager zieht den Bauch ein, der Pro wird rollig und manche Clubsekretärin fragt sich, ob sie endlich ein einsames Alpha-Männchen im Würgegriff verführerischer Balzdüfte vor den Traualtar schleppen kann. Die VIP- und Promi-Events sind in vollem Gang. Heiße News züngeln durch die Dressrooms: Wer ist jetzt mit wem? Wie hat sie ihn gekriegt? Wie ist sie ihn wieder losgeworden und was hat es ihn gekostet? Und dann der Grußplan! Wer wird gegrüßt und wer grüßt wen zuerst? Diplomatie ist wichtig, aber nicht alles. Manchmal muss die Frau auch Farbe bekennen, womit wir beim Thema wären. Eine modebewusste Golferin sollte ihre Golfschläger jährlich dem Farbtrend der Saison anpassen. Hat sich Ihr Gatte ein aufwändiges Clubfitting geleistet? Was der kann, können Sie auch, wobei die Feinheiten der Schlägeranatomie – schiere Beutelschneiderei – für Sie ohne Belang sind. Wie wir alle wissen, ist das mentale Spiel entscheidend. Sie müssen sich mit Ihren Schlägern wohl fühlen. Ergo müssen diese schön glänzen und zum Outfit passen. Alles andere ist Blödsinn. Also handeln Sie! Die Kult-Modeschöpfer der Promi-Tour empfehlen leuchtendes Lila? Bitte sehr! Kaufen Sie sich eine Dose stoßfesten, lila Bootslack. Der Rest ist einfach: Sie legen Zeitungspapier über den Perser und öffnen die Dose. Den Schaft haben Sie bereits da abgeklebt, wo er in den Schlägerkopf mündet. Jetzt tauchen Sie den Schlägerkopf in die Farbe, die Sie mit dem Brieföffner Ihres Gatten gut vorgerührt haben. Drehen Sie den Schläger im Topf. Dann lassen Sie ihn über der Dose abtropfen und legen den Schaft so auf den Schreibtisch, dass die Restfarbe auf die Zeitung tropft. Das wars. Kinderleicht. In wenigen Minuten haben Ihre Schläger eine vollkommen neue Optik. Machen Sie sich keine Sorgen um die Rillen. Welche Amateur-Spielerin braucht Spin? Sie sollten sich auch nicht scheuen, wenigstens ein Hölzchen Ihres Liebsten in den Farbtopf zu tauchen. Überraschen Sie ihn! Wenn er dann, an einem schwierigen Par 3 über den Teich, seinen Lieblingsschläger – jetzt in leuchtendem Lila – aus dem Bag zieht, wird er dankbar schmunzeln, um den Ball, von der Kraft Ihrer Liebe getragen, an die Fahne nageln. Und was machen wir, meine Herren? Mein Tipp: Machen Sie ein Swingfitting! Dass viele Männer in ihrem Swingerclub schwere, goldene Uhren tragen, vorzugsweise jene Modelle zeitloser Eleganz, denen auch die großen Drei des Golf, Palmer, Nicklaus und Player, den Vorzug gaben, hat seinen Grund: Allein die schwere, massiv goldene Uhr mit Brilli, der viel geschmähte "Ludenwecker" bringt Ihnen das Extra-Quäntchen Schwunggewicht – diese besondere Durchschlagskraft, die Palmer, Nicklaus und Player zu den erfolgreichsten Spielern ihrer Zeit machte! Also kramen Sie den alten Goldkloben heraus. Wenn Sie stark gebaut sind und das Gefühl haben, dass die Uhr immer noch nicht schwer genug ist, dann fragen Sie Ihren Pro nach Bleistreifen, mit denen er Schwunggewichte bei Golfschlägern ausgleicht. Leihen Sie sich zehn von diesen Bleistreifen, die auf der Rückseite ein Klebeband haben. Sie spielen in einer Liga, in der sich die Zeit gefälligst nach Ihnen zu richten hat, also was soll´s: Kleben Sie so lange Bleistreifen auf das Saphirglas Ihrer Uhr, bis sich der Arm richtig anfühlt. Der Arm muss frei schwingen können. Probieren Sie in der Herrengarderobe, ob der Arm genug Power für einen langen Drive entwickeln kann. Sie sollten eine Schranktür aus Holz mit einem Hieb durchschlagen können, bei Blech braucht es zwei Schläge für eine tiefe Beule. Dann stimmt das Schwunggewicht am Arm und der Traum vom Longest Drive wird real. Und keine Sorge: Unter Fachleuten gilt eine bleiverklebte Rolex als ein Zeichen von Understatement, Stil und Golfkompetenz. Sie können also nur gewinnen!

Eugen Pletsch

aus: "Pletschblog" in GolfTime 5/10

 

 

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