Notizen von Eugen Pletsch
Eklatanter Testosteronmangel?
Was ist der gemeinsame Nenner der meisten Golfer? Bauchansatz, kleine Brüstchen, viel über Sex reden, aber keinen haben, sowie Gereiztheit und Erschöpfungszustände, besonders nach vorgabewirksamen sechs Stunden-Turnieren. Die Ursache könnte ein eklatanter Testosteronmangel sein, erfuhr ich auf der Pressekonferenz einer Endikrinologen-Tagung.
Mit meinem Bauchansatz sollte ich mich unbedingt testen lassen, grübelte ich. Was aber, wenn mich der Urologe angesichts meiner Brüstchen mit einer Verordnung traktiert, die mich direkt ins Doping-Lager katapultieren würde? Für Golfer mit leisen Olympia-Hoffnungen ist das keine unberechtigte Sorge. Dabei ist jeder Gedanke an Doping im Golfsport eigentlich absurd: Übertriebener Muskelaufbau hat manchen Schwung vermasselt, Betablocker (gegen den Yips) haben die Drivelänge verkürzt und in welche Wahnvorstellungen Kokain treibt, erzählen Ihnen Ihr ehemaliger Investment Banker, den Sie beim Enten füttern im Park finden werden.
Gary Player hatte die Doping Diskussion vor ein paar Jahren anlässlich der OPEN in Carnoustie losgetreten, als er einige Tour-Spieler beschuldigte “etwas zu nehmen“. Das hatte dem Fitness- und geltungs-süchtigen kleinen Mann viel Ärger unter Kollegen gebracht, zumal er nicht in der Lage war, Ross und Reiter zu nennen. Einige Leute, zum Beispiel George Monbiot vom englischen „Guardian“ begannen Players Rolle während der Apartheid zu hinterfragen und Nelson Mandela war ziemlich sauer, nachdem bekannt wurde, dass Player für die international geächtete Militärdiktatur in Burma einen Golfplatz baute.
Jetzt, wo Golf eine olympische Disziplin wird, ist der Geist der Heuchelei endgültig aus der Flasche und die unersättliche „Antidoping-Industrie“ mit ihren Experten, Gutachtern und Laboren lechzt nach frischem Blut. Unser jungen Golfkader – gesunde Frohnaturen mit roten Backen, Talent und Trainingsfleiß, die auf Schulpartys selbst Alcopos meiden – müssen sich in Anbetracht neuer Anti-Doping-Bestimmungen fragen, ob ein unüberlegt ausgestelltes Hustensaftrezept das Ende ihrer Karriere bedeuten könnte.
Was wird erst über diese jungen Talente herein brechen, wenn sich Ryder Cup -Hoffnungen und olympische Träume zu einem giftigen Amalgam vermischen, wenn geltungssüchtige Eltern, erfolgs-hungrige Trainer, profilneurotische Funktionäre und gnadenlose Sponsoren Erfolge um jeden Preis erzwingen wollen?
Wird der bewährte Cocktail von Konditionstrainern und Sportärzten aus Radsport und Leichtathletik in der Phase olympischer Vorbereitung mit Berater-verträgen ausgestattet, um bislang unbedarften Golf-Hoffnungen die Geheimnisse olympischen Erfolgs einzuflößen?
Manche sagen, Golf wäre gar kein „Sport“ sondern eher eine Methode der Bewusst-seinsbildung. Das ist insofern richtig, als das Golfspiel auf einem Codex basiert, nach dem ein Spieler aus den Büschen kriecht und sich einen Strafschlag notiert, weil er meint, seinen Ball im Laub bewegt zu haben. Das nannte man den Spirit of the Game. Dass dieser Golf-Geist selten geworden ist, hängt mit der Entwicklung zusammen, die „unser" Spiel nimmt.
Ich meine: Nicht der Golfsport braucht Anti-Doping Regeln, Kontrollen und Grenzwerte, sondern jene Testosteron-Bolzen, die bereit sind, den Golfsport dem gierigen Moloch ungezügelter Vermarktung zum Fraß vorzuwerfen.
Eugen Pletsch
Quellen:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2007/oct/16/comment.golf
http://www.guardian.co.uk/world/2007/oct/09/burma.southafrica http://www.cybergolf.com/golf_news/gary_player_deserves_a_mulligan
http://muzi-moza.blogspot.com/2007/10/black-knight-is-caught-out.html
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