Notizen von Eugen Pletsch
In einem Eschenrieder Teich versenkt?
Worum es da in München bei meiner Rolle als Gastredner zum 20jährigen Jubiläum der Vereinigung Golf spielender Journalisten ging, fragte mich eine Leserin, die immer neugierig nachfragt, wenn sie merkt, dass ich versuche, über ein Thema wegzurutschen.
Nun: Der Pressegolfclub ist seit 20 Jahren eine Vereinigung für Golf spielende für Journalisten/innen aller Redaktionen mit dem Leitgedanken, „die Wahrnehmung und den Stellenwert des Golfsports in der Öffentlichkeit und den Medien zu befördern“. Zum 20jährigen Jubiläum hatte jemand die Schnapsidee, mich zu einem Vortrag einzuladen. Ich dachte, die wollten vielleicht etwas seichte Satire hören, um sich nach der Runde gepflegt besaufen zu können, aber dann kam es irgendwie ganz anders. Es waren zwar auch einige Golfjournalisten vor Ort, aber die meisten anwesenden JournalisteInen sehen Golf nur als ihren Freizeitsport an. Trotzdem, oder gerade deshalb, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, sie zu fragen, wann und wo sie denn „die Wahrnehmung und den Stellenwert des Golfsports in der Öffentlichkeit und den Medien befördern“ würden und begann dann, meine unmaßgebliche Meinung zur allgemeinen Entwicklung des Golfsports vorzutragen, Gedanken, wie ich sie auch in meinem Text zur "Generation Platzreife" anklingen ließ.
Zu meiner großen Verwunderung stieß ich mit meinen kritischen Anmerkungen auf breite Zustimmung. Ich weiß nicht, ob und wer sich hierzulande überhaupt Gedanken über die Entwicklung des Golfsports macht, zumindest kenne ich kaum jemanden, für den das Thema dann nicht mit irgendwelchen wirtschaftlichen Interessen besetzt wäre. Ansonsten gibt es eben nur diese allgemeine Wurschtigkeit der Leute, denen alles egal ist, solange sie ihren Ball im Rough finden. Dabei gibt es gravierende Veränderungen, die offensichtlich wegen wirtschaftlicher Interessen in ihrer Bedeutung nicht angemessen reflektiert werden.
Beispiel: Früher lehrte der Golflehrer seinem Schüler das Golfspiel, heute lehrt er (meist) nur noch den Golfschwung. Das sind zweierlei Dinge. Wie es auf dem Platz zugeht, hat man früher von besseren Spielern (oder vom Pro) gelernt, als die Clubs noch eine verschworene Gemeinschaft waren und jedes neue Mitglied sorgsam in die Rituale der Etikette eingeführt wurde. Das passiert vielleicht noch irgendwo, auf Plätzen, wo die Welt noch heil ist, wie in Schwäbisch Hall. Aber da wo der Breitsport Golf brachial drängelt, ist die Clubgemeinschaft meist nicht mehr existent und das Verhalten auf dem Platz wird vom Golflehrter in ein oder zwei Etikette-Abenden, sowie der besagter „Platzreifeprüfung“ als neue Cashcow, abgefrühstückt. Ergebnis ist das allgegenwärtige Chaos auf dem Platz. Über solche Themen habe ich mich ausgelassen. Meine Angst, danach geteert und gefedert in einem Eschenrieder Teich versenkt* zu werden, war jedoch unberechtigt.
Über den Tag wurde ein Turnier gespielt, angenehmerweise ein Texas Scramble mit Teamwertung, was das Spiel schnell, stressfrei und sehr angenehm machte, wobei wir sportlich immernoch zur Genüge gefordert wurden. Ich kann von vorgabewirksamen Turnieren bei gesellschaftlichen und geschäftlichen Anlässen, wo sich die Leute doch kennenlernen wollen, ohnehin nur abraten. Na gut - andererseits, wenn ich es mir recht überlege, lernt man manche Leute in einem vorgabewirksamen Turnier gleich so kennen, dass sich bisweilen jeder weitere Kontakt erübrigt.
Der Golfplatz Eschenried war ohne Frage der golferische Höhepunkt meiner letzten Reise, ein richtig schöner Platz. Besonders möchte ich dem Marshall Herr Kühnel danken, der mir nicht nur die Anlage zeigte, sondern mich auch an seiner der humorvollen Weisheit und klugen Beobachtungsgabe teilhaben ließ. Die anderen Plätze, die zur Gruppe gehören, wie Gut Häusern, darf ich irgendwann auch noch mal spielen, sagte man mir. Da freue ich mich drauf, wie auf "mein" Hotel Forelle, in dem ich mich in den drei Tagen wie zu Hause fühlte.
So. Und jetzt übe ich Wolken schieben.
Eugen
*Das Schicksal, in einem Eschenrieder Teich zu ersauften, ereilte jedoch Kurtchen, meinen langjährigen, treuen Begleiter, einen ProV1, mit dem ich auch diese Saison bisher so verheißungsvoll gespielt hatte. Als irgendeine Ente in meinem Rückschwung mit den Flügeln klapperte ... warf sich Kurtchen verzweifelt in den Teich, da, wo das Wasser am Tiefsten ist. Ich werde immer an Dich denken, Kurt!
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