Seit Golf zum Breitensport wurde, wird immer mehr in die Breite gespielt und es macht sich eine neue Form der Verzweiflung breit: Die Generation Platzreife bahnt sich ihren Weg durch Fairways und Gemüter. Ich fand es deshalb mutig von GolfTime, meine Ansichten zu diesem Thema im aktuellen Heft zu veröffentlichen. Es ging mir aber nicht darum, Golfanfänger zu bashen, denen beim Kauf ihres Golfführerscheins nur in den seltensten Fällen erklärt wird, dass die Eintrittskarte zu einem Konzert nicht zum Mitsingen befähigt. Vielmehr haben mir meine letzten Turniere wiedermal bestätigt, dass viele Golflehrer offensichtlich nur den Golfschwung lehren, aber nicht das, was man Golfspiel nennt. Ergo stehen die Leute auf dem Platz, denken über technische Anweisungen nach. Das, was zum Golfspiel gehören könnte, wird leider meist nur noch als Mogelpackung unter dem Namen "Golfführerschein" vermarktet. Seit die Platzreifeprüfung ein Geschäft ist, verdienen sich smarte Professionals und Clubs ein nettes Zubrot damit, nach einwöchigen Platzreife-Kursen Golfführerscheine auszustellen. Im „Manager-Magazin“ lesen wir, dass man nach zwei Tagen Hackerei im Kurs eines Reiseveranstalters auf 80 Partneranlagen spielberechtigt ist, wobei diese Spieler nur jenen Golfern unangenehm auffallen dürften, die ihr Handwerk einst in langen, mühseligen Jahren erlernten. Aber diese Saurier, denen es zumindest manchmal gelingt, Spielfluss mit Spielfähigkeit zu verbinden, werden bald ausgestorben sein. Kurz gesagt: Das Spiel geht vor die Hunde. Bekannt ist, dass sich das durchschnittliche Handicap in den letzten Jahrzehnten, trotz aller technischen und golfdidaktischen Innovationen nicht verbessert hat. Auch der Versuch des DGV, die Spielqualität zu fördern, indem man Normen schafft, ist meiner Ansicht nach gescheitert. Der Kostendruck zwingt die Clubs, möglichst viel Frischfleisch auf den Platz zu schicken, wobei der unredlich verbreitete Glaube, dass ein „Golfführerschein“ zum Spiel befähigen könnte, die Auslese verhindert, die früher durch das Handicap 36 geschah. Heute darf jeder spielen. Das ist eigentlich schön und dafür habe ich mich lange Jahre eingesetzt. Aber langsam wird es gefährlich und für sportliche Golfer wird eine Runde immer mehr zum Albtraum. Das Fortkommen auf dem Platz ist so schnell, wie es der langsamste Hacker zulässt. Es wäre also an der Zeit, sich über neue Konzepte der Startzeitenvergabe und die Aufwertung der Position eines Marshalls Gedanken zu machen, denn wenn sich der DGV nur auf die Neugewinnung von Spielern konzentriert und die Mitgliedererhaltung in den Golfclubs vernachlässigt, wird es ein böses Erwachen geben. Immer mehr gestandene Golfer haben von dem, was sich heute als Golf präsentiert, die Nase voll. Wir haben alle mal angefangen, aber in vielen Clubs ist ein Mindeststandard an Spielfähigkeit und Etikette zum Novum geworden; regelfeste Spieler werden mittlerweile als Erbsenzähler und Spaßbremsen diffamiert. „Wenn die Elemente und Kräfte des Kosmos mit denen des Geistes übereinstimmen, in diesem Zustand des wahllosen Bewusstseins schafft eine unscheinbare Absicht ihre eigene Erfüllung“, meint der indische Arzt und Gelehrte Deepak Chopra, dem man nicht nur ein Faible für den Golfsport nachsagt, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Themen so in unverständlichen Sätzen zu verpacken, dass sie sich in bare Münze verwandeln lassen. Polemisch ins Golferische übertragen würde ich Chopra so interpretieren: „Wenn die Elemente und Kräfte des DGV mit denen der PGA übereinstimmen, wird sich die unscheinbare Absicht der Golfspieler, weiter im Zustand wahllosen Bewusstseins ihre eigene Erfüllung im Spiel zu finden, in bare Münze verwandeln lassen.“
Aber ist das auf Dauer sinnvoll? Solange der DGV den Golfsport als Monopolist verwalten darf, sollte er sein Hauptaugenmerk auf das Niveau der Spielqualität richten, die durch den wirtschaftlichen Druck der Clubs sehr gelitten hat. Dem Golfsport ist nicht damit gedient, dass alles immer nur komplizierter, teurer und technischer wird und wir unsere Scores in die Welt twittern können.
Wenn Golf ein Breitensport und keine golferische Massenverelendung werden soll, müssen wir uns dringend auf die Ursprünge besinnen, um diese den vielen Neugolfern, aber auch älteren Golf-Autisten, als wesentlichem Bestandteil unseres Spiels vermitteln. Ich meine damit Etikette, Ehrlichkeit, Konzentration, soziales Verhalten und die Bereitschaft, selbst Verantwortung für unser Tun zu übernehmen. Dazu kommt die Spielfähigkeit was mehr ist, als nur der Golfschwung, der auch zu erlernen ist und das ist kein leichtes Unterfangen, sondern eher eine Lebensaufgabe Ich fände es deshalb fair, wenn man golfinteressierten „Gelegenheitsgolfern“ vorher sagt, dass Golf playen nicht nur fun bedeutet, auch wenn die Idee des Spiels grundsätzlich einfach ist und Spaß machen sollte: Wir schlagen den Ball bei einem flotten Spaziergang, so wie er liegt, zu einem Ziel hin, das durch eine kleine Fahne gekennzeichnet ist. Wir sind dabei höflich und gehen achtsam mit der Umwelt, sowie der Gesundheit, Laune und Zeit unserer Mitspieler um. Wer sich mit anderen vergleichen will, kann dabei seine Schläge zählen.
Die Rückbesinnung auf die Ursprünge unseres Spiels, das was das Golfspiel eigentlich ausmacht, finde ich in kaum einem Golfbuch auch nur ansatzweise dargestellt. Das war vor etlichen Jahren der Grund, warum ich meine „Notizen eines Barfussgolfers“ unter dem Titel „Der Weg der weißen Kugel“ veröffentlichte. Der „WEG“ ist seitdem eine Art Kultbuch geworden und hat etliche Neuauflagen und Überarbeitungen erfahren, wird aber in der aktuellen Ausgabe bald vergriffen sein. Deshalb werde ich mich daran machen, den WEG zu aktualisieren. Ich hoffe, dass es mir gelingt, noch etwas von jenem flüchtigen Golfgeist einzufangen, der immer mehr im Äther zu verschwinden droht. Will sagen: Ich werde demnächst öfter auf Lesereisen sein, am WEG arbeiten und mich an dieser Stelle etwas rar machen.
Eine schöne Golfsaison wünscht
Eugen Pletsch














