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Notizen von Eugen Pletsch

Der Staub-Pilot

Was ich so treibe und warum ich nix mehr schreibe? Ob ich in dem roten Heilwasser von Furnas endgültig versackt wäre? Ach, Ihr Lieben … ich weiß … aber abgesehen vom Nachholbedarf bei meinem Frischlufthobby habe ich so viel zu Schreiben, dass ich nicht mehr zum Schreiben komme. Dabei gäbe es soviel zu erzählen. Aber nee, jetzt sitze ich hier am schönen Sonntag, habe fast acht Stunden getippt, die kleinen Schweinsäuglein triefen und es reicht. Außerdem: Warum noch Zeichen in die Bäume ritzen? Allen Vorrausagen nach geht die Welt in zwei Jahren unter, was mich nach erster Nervosität mittlerweile mit einer tiefen Ruhe erfüllt. „Die NASA beschwichtigt“, schreibt Autor Hendik Hannes, “dass die Sonne wohl moderat einer Phase schwächerer Aktivitäten entgegengeht, um das Volk nicht zu beunruhigen“. Fakt ist, dass Forschungen am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung dabei auf ganz andere Ergebnisse gekommen sind, in dem sie den Langzeitverlauf der Sonne seit der letzten Eiszeit, durch C-14 Isotope darstellen konnten. Nicht nur der Einschlag eines Kleinplanetoiden auf der Sonne im März zeigt, dass die aktuellen geomagnetischen Partikelstürme, die seit Anfang April auf der Sonne toben, unser aller Golfspiel und besonders das Putten nachhaltig beeinflussen werden. Eingedenk der Warnungen von Hannes fuhr ich zum DGV Verbandstag in Frankfurt ganz schwarz gekleidet. Ich wollte damit keineswegs meiner Trauer über die DGV-Politik Ausdruck verleihen, nein - überhaupt nicht. Aber am 16. April war der Vulkan ausgebrochen und über dem mittleren Westen der USA (Missouri/Illinois) war in der Nacht vom 14.4. zum 15.4.2010 ab etwa 22:00 für ca. 15 Minuten ein gigantischer Feuerball am Himmel zu sehen. Laut CNN gab es keine offizielle Einschätzung darüber, was genau das imposante Himmelspektakel verursacht haben könnte. Astronomen vermuten, dass der Meteorstrom der Gamma Virginiden, vom 4. bis zum 21. April eine Erklärung für den Feuerball sein könnte. Noch steht nicht fest, ob dies das Ende, oder der Anfang eines Meteoriten-Hagels war, aber es erklärt meinen Score von 22 über Par, den ich am 14.4.10 bei meinem ersten Turnier in diesem Jahr spielte. Da ich gerade Gast auf einer Vulkaninsel war und mir brodelnde Quellen und erkaltete Lavaströme noch gegenwärtig sind, meldete ich mich freiwillig beim HR3 als Staub-Pilot. Wir Staub-Piloten sind schwarz gekleidete ehrenamtliche Seismografen. Sowie sich das Schwarz in Grau eingefärbt, wäre der Vulkanasche-Fallout angekommen, was ich dem Hessischen Rundfunk sofort unter einer Sondernummer mitgeteilt hätte. Das war aber nicht nötig. Der Himmel blieb flugzeugfrei und blau, die Themen und Belange des DGV für uns Laien unverständlich und von dem abendlichen Gelage verabschiedete ich mich vorzeitig, weil ich im Dienst war. Stattdessen fuhr ich einen desorientierten Verleger zu seinem Hotel in einem Vorort von Frankfurt: „Wie, Du hast kein Navi?“ entfuhr es ihm, als wir durch Niederrad irrten. Panik flackerte in seinen Augen. Mich störte es nicht. Warum sollte ich mir wegen der verbleibenden zwei Jahre noch ein Navi anschaffen, wo es doch 20 Jahre im Außendienst auch ohne ging. Schließlich fanden wird das Hotel. Ich fuhr zurück auf die Autobahn und versackte im Stau Richtung Norden. Dabei hielt ich, wie alle anderen Staub-Piloten, meinen schwarz gewandeten Arm aus dem Fenster und wartete, ob der Himmel herabfallen würde. Aber der war nur blau und ich später auch. Eugen Pletsch
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