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| 1&1 gibt Null |
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Eugen Pletsch berichtet über seine unheimliche Nichtbegegnung mit
der 1&1 Internet AG. Fazit in Schulnoten: Website: 2; Administrationsmöglichkeiten
via Website: 2; Preise: 2; Angebote und Innovationen: 2; Erreichbarkeit
der Hotline: 6; Kompetenz Hotline: 6; Kommunikationskompetenz Konzern:
6; Troubleshooting: 6; Service und Kundennähe: 6;
Dieser Tage fragte ich einen Kumpel auf der Driving Range: „Gibt es eigentlich ein Leben nach dem Golf?“ Er, seit 40 Jahren Golfer, konnte es sich nicht vorstellen. „Gibt es ein Leben ohne DSL?“ Diese Frage stellt derzeit die 1&1 Internet AG unerbittlich in den Raum, ohne jedoch irgendwelche Antworten geben zu wollen. Lesen Sie über DSL-Probleme bei 1&1, die 1&! Hotline und meinen Ärger mit dem Support: „Hilflos und nackt, in den Fängen von 1&1!“
Ein Jahr wartete
ich in meinem Office in einen Kaff vor Gießen,
bis das Wunder DSL wahr werden sollte. Die T-Com-Zwerge aus Hessisch
Hobbit hatten so lange an einem Kupferkabel gehämmert, gekaut und
gezogen, bis die Leitung schließlich bis zu unserem Haus reichte.
DSL-Light nennt man das. Man zahlt den vollen Preis und hat eine dünne
Performance, die in meinem Fall bei 49,27 DB liegt. Sinnvoll wäre
eine Anbindung von 50 DB, sagt man. Wusste ich auch nicht. Ich beantragte
einen Presse-Account bei 1&1, den mir mein Sohn als erfahrener 1&1
Reseller einrichtete. Ich war schon zuvor als 1&1 Kunde zufrieden
gewesen. Wenn nötig, ruft man an, bekommt jemanden an die Strippe,
und das Problem wird gelöst - wie sich das gehört.
Es läuft nichts mehr. Das Power-Lämpchen der Fritz-Box blinkt nervös. Alle anderen Lämpchen haben sich verabschiedet. Tot. Mausetot. Mein Sohn vermutet eine defekte Leitung oder Netzprobleme. Ich vermute, dass die Box defekt ist. Am Sonntag ist bei 1&1 niemand erreichbar.
Ich versuche, auf verschiedenen Nummern, die zum Teil gegenseitig aufeinander verweisen, 1&1 zu erreichen. Auf einer Nummer erhalte nach kurzem Warten eine Ansage, dass alle Leitungen besetzt sind und ich bitte kurz warten möge, ich würde gleich verbunden. Lichtjahre später sagt die gleiche Stimme, dass offensichtlich alle Leitungen belegt sind, und ich es doch besser ein andermal probieren soll. Peng. Ich versuche andere Nummern, die mir vorliegen. Es wird auf Telefonnummern verwiesen wird, die nicht funktionieren, oder es wird nach zweimal klingeln sofort aufgelegt oder wiederum auf eine 0900 Nummer verwiesen, die ich definitiv nicht anwählen werde, wenn ich eine Reklamation während der Garantiezeit habe. Mein Sohn erreicht den technischen
Support und eine Stimme mit stark polnischem Akzent empfiehlt, ein
Update auf die Fritz-Box
zu spielen.
Mein Sohn glaubt kein Wort. Aber er bekommt das Update per eMail, setzt
sich als guter Sohn und 1&1- Reseller in die Karre, fährt 30
KM zu mir, spielt das Update auf und nichts passiert. Er gibt mir die
Nummer des technischen Supports. „Da ging früher immer jemand
dran, jetzt muss man manchmal etwas warten“, meinte noch. Ist das Hängen in der Warteschleife ein neuer Bewusstseinszustand,
eine Art evolutionäre Prüfung des Menschen? Und ganz nebenbei
gefragt: Warum muss ich eigentlich Support-Kosten zahlen, wenn es sich
um eine Reklamation handelt? Etwas geht kaputt, ich habe Ansprüche,
darf reklamieren, kann es aber nicht und wenn, dann nur zu Kosten, die
die Firma diktiert. Um eine Reklamation zu verhandeln, müssen Sie
bei manchen Firmen Ihre Kreditkartennummer bereit halten. Um den Mist,
den andere machen, aufzuklären, müssen Sie eine Summe X € pro
Minute zahlen. Und zahlt man auch, während Sie von Warteschleife
zu Warteschleife gereicht werden? Wer weiß das? Wie ist das juristisch?
Ich muss das abklären. Auch die Frage, ob es einen Zusammenhang
zwischen der Zunahme von Terrorismus in der Welt und dem vermehrten Einsatz
von Call Centern gibt, muss ich in Statistiken überprüfen.
Könnte doch sein, oder? Jede Befreiungsbewegung hat vermutlich mal
versucht, ihr Anliegen der UNO oder sonst jemandem vorzutragen. Zum Beispiel,
dass ein Dorf aus Versehen bombardiert wird oder gerade ein Massaker
angerichtet wird und was passiert dann: Am Wochenende ist der Anschluss
nicht besetzt und in der Woche ist eine Sprachbox dran, die erklärt,
dass im Moment niemand erreichbar ist, weil alle Plätze besetzt
sind: „Lieber Anrufer, alle Leitungen sind derzeit belegt. Ffalls
Sie anrufen, weil Ihr Dorf aus Versehen bombardiert wird, möchten
wir Sie bitten unserem Serviceteam eine eMail zu schreiben oder zu einem
anderen Zeitpunkt noch mal anzurufen“. Plötzlich eine Stimme in der Leitung. Ich erschrecke. „Hallo!?“,
frage ich „Echt Mensch, oder Ansage?“
Die Redaktion zieht kurzzeitig in ein anderes Büro, damit die Arbeit weiter gehen kann. Nachmittags kommt mein Netzwerk-Berater und Admin Fred. Er checkt alle Anbindungen, Kabel, Splitter etc. Sein Urteil: offensichtlich ist die Fritz-Box defekt. Alles Lug und Trug. Er lächelt.
Nach 48 Stunden
wird mir klar, dass ich bezüglich der zugesagten
T-Com Leitungsmessung nicht zurückgerufen werde. Nach etlichen Warteminuten
erreiche ich den 1&1 Support, weil ich jetzt wissen will, was mit
der Leitung ist. "Bitte rufen Sie nach 12 Uhr an", sagt mir
ein junger Mann, "unsere Datenbanken sind zusammengebrochen". Ich war noch mehrmals via Sprachportal
auf der Hotline. (Man hat ja sonst nichts zu tun). Nicht immer melde
ich mich unter
meiner Kundennummer
an. Ich spreche mit netten, hilflosen Polen und frustrierten Deutschen,
aber es gibt offensichtlich niemanden, der, wie das früher bei 1&1
war, ein Problem prüft, um dann eine Lösung zu finden. Man
hat das Gefühl, bei 1&1 wäre vollkommen Land unter. Hoffnungslose Überforderung
des 1. Level (fachlich und sprachlich); jede Frage muss rückgefragt
werden, was endlos dauert. Warum kommt nicht der, die Antworten geben
kann, direkt ans Telefon? Ein deutscher Mitarbeiter sagte mir: „Die
(da oben) wissen gar nicht, was hier los ist. Ich kann Ihnen nicht helfen,
ich muss mich an mein Eskalationshandbuch halten, sonst bin ich meinen
Job los.“
Die Leiterin Hardware-Support, die von Frau Beschwerdemanagement eingeschaltet wurde erreicht mich um 16 Uhr. Der Hardware-Support Anruf, der für 14 Uhr avisiert war, kam natürlich nicht, wie ich befürchtet hatte. Sie meinte, da wäre etwas schief gelaufen, weshalb der Kollege nicht angerufen hätte. Ich bat sie, meinen Netzwerkberater anzurufen, was sie tat. Man einigte sich darauf, die Zusendung der neuen Box abzuwarten. Plan B, was passieren würde, wenn die auch nicht geht, wurde leider vergessen. Seit dem ist Frau Hardware-Support nicht mehr erreichbar gewesen und hat sich auch nicht mehr gemeldet. Was wir brauchen, ist ein Fachmann, der sich im Thema dünne DSL-Leitung auskennt. Aber morgen wird die neue Box kommen. Dafür gibt es Dienstleister, 24 Stundenservice, alle Schikanen der modernen Logistik werden jetzt von 1&1 angekurbelt, um mich wieder glücklich zu machen. Oder?
Es wird Freitag und kein Paketauto hält vorm Haus. Nix. Kein Paketdienst, kein DPD, kein UPS.
Ich habe einen Sonnenschirm vors Haus gestellt (weil es regnet und stürmt). Ich sitze auf meinem Klappstuhl und warte auf einen Spezialwochenendtagundnachtservice, der die Box bringt. Der Wind fegt den Schirm weg. Auch der gewundene Myrtenkranz, den der Zusteller umgehängt bekommen soll, löst sich auf. Die zwei Mädels, die ich als Ehrenjungfrauen bestellt habe, verabschieden sich Mittags mit einer Blasenentzündung. Bis zum Sonnenuntergang reitet kein Eilbote durch unser Tor, der mir mit letzter Kraft die Fritz-Box zuwirft, um dann mit schwerem Atem über seinem toten Pferd zusammenzubrechen. NIX. Keine Mail, keine Brieftaube. NIX. Ich hatte bereits in meiner ersten Mail an die Beschwerdestelle angeboten, mir einen Ersatz in Limburg abzuholen, aber darauf wurde nicht reagiert. Mein Netzwerkberater wollte im Nachbarladen die letzte Fritz-Box kaufen, was ich aber absagte, auf Frau Beschwerdeleiterin und Frau Supportleiterin vertrauend. Ich schreibe den Damen ein Mail.
Nichts. Vielleicht wurde die Box auf sicherem Wege
verschickt. Das Beschwerdemanagement sitzt in der Zentrale in Karlsruhe.
Vielleicht hat man einen soliden
Transport veranlasst und die Box ist in einer gepanzerten Truhe auf
jenem Ochsenkarren verschickt worden, der dieser Tage in der Gegend
von Speyer gesehen wurde? Wir wissen es nicht. Wir bekommen von den
Damen auch keine Antwort mehr. Vielleicht sind sie im Urlaub? Oder
haben Nachtschicht? Gefeuert? Vielleicht werden wir es nie erfahren.
Mal sehen, was AVM, der Hersteller der Fritz-Box, sagt. Die angegebene
Hotline ist wie eine Festival-Toilette. Dauerbelegt.
Es ist Mittag. Kein Paketdienst weit und breit. Sonst
sind die immer bis Mittags da. Ich rufe Herrn Bastert von AVM an, der
mir zusagt,
sofort einen Fritz-Box zuzusenden. Gerade als die Nudeln kochen, klingelt
es. GSL ist vor der Tür, der heute eine andere Route gefahren
ist und deshalb später kam. In der Hand hat er einen Karton von
1&1. "Hey, das ging ja schnell", sage ich. Der junge
Mann missversteht mich und sagt: "Ich habe auf meinen Karton ein
Jahr gewartet!" Leise Scham kriecht in mir empor. Bin ich unmäßig?
Bin ich einer dieser griesgrämigen Deutschen, die täglich
mit überspannten Wohlstandswehwehchen irgendwelche Hotlines abnerven?
Bin ich einer von denen, die sich bei Kachelmann über die Sonne
beschweren, wo er doch bewölkt angesagt hat? Mittlerweile sind einige Mails von Lesern gekommen. Tenor: ja, wir hatten auch schon viel Spaß mit 1&1. Und: die anderen Anbieter kriegen es auch nicht hin. Alles Lug und Trug!
Mein Sohn verfiel gestern Nachmittag
auf die wunderliche Idee, einfach noch mal die ihm bekannte Supportnummer
von 1&1 zu wählen. Er
hatte tatsächlich Kontakt zu einem Berater "der sich wunderte,
dass das alles so lange gedauert hat!" Im Club an der Bar traf ich zwei Geschäftsführer. Einer vertreibt Golfschläger und hat einen Light-Anschluß via 1&1, was wohl eine wackelige Angelegenheit wird, wenn jemand “unten im Dorf auch mal auf die Leitung will“. Der andere hat gerade bei 1&1 beantragt und ihm wird ganz mulmig. Um ihn zu beruhigen, zitierte ich Meldungen aus den Foren, in denen berichtet wurde, dass die Telekom und Töchter grundsätzlich weder Mails beantworten noch Fax noch Briefe und nur selten erreichbar sind und Arcor offensichtlich auf Monate, wenn nicht Jahre, ausgebucht ist. Wir einigten uns darauf, das 1&1 vielleicht noch das geringste Übel ist. Es ist Mittwoch morgen, der große Moment gekommen. Ich sitze an der Arbeit, als plötzlich alle ISDN-Leitungen tot sind. AHA. Riecht nach T-Com. Mit dem Feuerzeug im dunklen Kasten rumgeleuchtet? Nein. Wenige Minuten später geht alles wieder und im selben Moment, wo das DSL-Lämpchen freudig blinkt, bekomme ich einen Anruf von T-Com. Die Leitung wurde geprüft. „Das habe ich gemerkt“, sage ich, „und, was war?“ „Ja, da war etwas nicht syncronisiert“, meinte der Fachmann. „Der Port hing. Kann mal vorkommen“. Den hat er resettet. „Und warum wurde das nicht schon vor einer Woche bei der Leitungsprüfung gefunden?“ „Die Leitung ging ja, sonst hätten Sie kein Telefon gehabt“, meinte er. Er hat seinen Auftrag erst heute Morgen bekommen. Wenn 1&1 das nicht beauftragt, kann er nix machen. Ob jetzt alles geht?„Lämpchen blinken. Prima, danke, Tschüss“. Kaum hatte ich aufgelegt, war das Lämpchen aus. Peng. Tot. Ich rufe die 2000-Nummer von T-Com an und frage, ob sie mich noch mal rasch zu dem Kollegen in Wetzlar geben könnte, die Leitung steht schon wieder. Nein, kann sie nicht, meint die Gans. Ich müsste mich an meinen Reseller wenden. Sie gab es mir genüsslich. Die Anweisung, einen verzweifelten 1&1 Kunden so richtig abtropfen zu lassen, muss von oben kommen. Sonst würde die sich das nicht erlauben. „Aber... bitte... ich flehe sie an, ich hab doch gerade mit dem Mann gesprochen...“. Sie kennt kein Erbarmen und verweist süffisant auf ihre Vorschriften. Ich wähle die Servicenummer von 1&1. Ich kann mittlerweile ganz entspannt die Sprachsteuerung bedienen. Von außen betrachtet wirke ich vermutlich schwer depressiv, aber nein, ich bin so entspannt, wie ein Mann in meiner Lage nur sein kann. Ich beantworte alle Fragen, es klingelt zweimal, aber diesmal kommt keine Musik. Es wird abgehoben – und sofort wieder aufgelegt. Also teile ich Frau Oberservice Mausetot per Mail mit, dass etwas ging, nix mehr geht, und ich darum bitte, den Kollegen der T-Com noch mal Bescheid zu stoßen. Im Affekt drücke ich die Wiederwahl der Hotline und – schwupp - ist jemand dran. „Ja, hallo?“ Ich bin vollkommen verdattert. Ein netter verständnisvoller Mensch gibt meine Kundennummer ein und bittet um Geduld zwecks Rücksprache. Nach kurzer Wartezeit teilt er mir höflich mit, dass er noch mal eine Störung gemeldet hätte. Die Kollegen würden sich kümmern. SAGENHAFT! Ich hätte nicht gedacht, das meine Geschichte in so kurzer Zeit zu solchen traumhaften Veränderungen bei 1&1 führt? Manchmal können wir kleinen Leute doch etwas bewegen, nicht? Das macht Mut. Der Kampf geht weiter! Gebt nicht auf! Der Marsch durch alle Hotline-Instanzen ist nicht zu Ende! Plötzlich kommt mir eine Idee. Ich nehme die neue Fritz-Box und schließe sie an. Geht! Power leuchtet. DSL leuchtet. Also haben die Pferde gekotzt und ein eingerosteter Port und ein zusätzlicher Wackelkontakt in der Box, sozusagen ein Doppelaxel, haben für all die Aufregung gesorgt. Souverän lehne ich mich zurück und schaue auf das DSL-Lämpchen. Damals, bei dem hessischen Provider, musste ich monatelang das Kunden-Newsboard moderieren. Zu der Zeit konnte man seinem ISP noch auf einem Kundenforum die Leviten lesen. In diesen Tagen stand öfter die Leitung. Ich verstand nie warum. Die Erklärungen der Technik kapierte ich nicht. Ein dicker Pizzafresser, dessen Stuhl jährlich unter seiner Last zusammenbrach, warf mir ein paar unverständliche Tekki-Brocken vor, die ich als offizielle Stellungnahme an die Kunden aufbereiten sollte. Irgendwann hatte ich es satt. Erst erfand ich einen Linux-Pinguin, den wir im gekühlten Serverraum halten würden, und der manchmal auf die Kontakte schiss, was zu Kurzschlüssen führte. Das liebte die Netzgemeinde, besonders die Linux-Freaks. Als es dann, nach der Umstellung auf einen neuen Backbone zu Totalausfällen im Netz kam, erfand ich Cybermarder, die die virtuellen Netze angenagt hätten. Auch das fanden unsere User, die damals aus einer kleinen Gemeinde von Admins, Webmastern und Agenturen bestanden, eine vernünftige Aussage. Bei technischen Ausfällen mit technischen Erklärungen zu argumentieren, führt nur zu Wahnsinn. Aber Ausfälle, weil man einen Cybermarderbau im Netzwerk hat, das ist für jeden Fachmann eine plausible Geschichte. Draußen hält ein Diesel, die Tür macht KLONK, ich kenne
das Geräusch: UPS! Ich renne runter, unterschreibe und habe jetzt
Fritz-Box Nr. 3 - dank AVM, die beweisen, dass man sehr wohl ein Päckchen
am nächsten Tag ausliefern kann. Ich lege es als stille Reserve
in die Ecke. Die haben wenigstens ein neues Gerät geschickt. Etwas verlegen starte ich den Browser: suuuummmm – ist die Seite da. VPN: funktioniert. Internet-Telefonie: muss noch in die neue Box eingegeben werden, macht Fred später. Ich arbeite problemlos bis 14 Uhr. Als ich vom Essen komme, blinkt die DSL-Powerlampe trügerisch. Das VPN ist wieder weggeknallt. Alles tot. Ist das denn zu glauben! Prüfen die von der T-Com gerade, oder habe ich Cybermarder? Ein Pinguin watschelt durch den Raum. Er trägt eine schicke Frackfliege. Leider riecht er etwas übernächtigt nach Zigarettenrauch. Er grüßt höflich und verschwindet im Bad. Ich höre das Geräusch von einlaufendem Badewasser und ein leiser wehmütiger Gesang klingt durch die Tür. Raste ich langsam aus? Gottlob ist auch das Telefon platt, also darf ich noch mal via Handy bei T-Com anrufen. Und richtig. Die nette Dame überprüft die Leitung, die plötzlich wieder geht und „versucht, dass mit dem DSL mal weiterzugeben“. Aktion Menschen für Menschen. Die grundsätzliche Aufgabe einer Hotline ist, Menschen zu helfen.
Wenn es einen Codex gäbe, nach dem versucht wird, jedem Anrufer
zu helfen, anstatt ihn abzuwimmeln und sich alle Firmen daran halten
würden, dann wären viele Probleme gelöst. Kostenpflichtige
Hotline auf dem 1. Level für Kunden müssten verboten sein.
Fachberatung gegen Bezahlung: OK. Aber es scheint ja ein Riesengeschäft
zu sein, dass Kunden niemand erreichen. Wenn Tausende von Kunden für
12 Cent die Minute in der Leitung vergammeln, ist das doch eine Lizenz
zum Geld drucken, oder?
Erst mal passiert gar nichts und
ich klettere auf meiner provisorischen ISDN- Hühnerleitung ins Web. Ich blättere in den 1&1 Geschäftsbedingungen,
die ich aber nicht entziffern kann. Es gibt Drucker, die – 0,2
Punkt drucken können. Die wurden eigentlich für Versicherungen
entwickelt. Also, Fred kam und hatte den großen Koffer mit. Werkzeug, Kabel, Adapter, allerlei elektronisches Gerät, mit dem er keine Flughafenkontrolle hätte passieren dürfen, Zündstufen für Raketenbausätze, Kaugummis, Gummiringe, Strumpfbänder – kurz: alles, was man braucht, um eine Sojus am Himmel zu halten oder um 1&1 auf die Sprüngen zu helfen. Fred gehört noch zur alten Garde, die, anstatt auf Kundenkosten in einer Hotline rumzuhängen, lieber mal selbst den Phasenprüfer irgendwo rein steckt. Erinnerungen an Wau Holland werden wach. Ich bringe Fred auf den neuesten Stand: Die Kollegen von T-Com haben den Port von Taubendreck, Cybermarderkot und Rost befreit und es geht um die Frage, warum der Saft nur phasenweise angekleckert kommt und DSL immer wieder aussetzt. „Wir werden das Problem einkreisen“, sagt Fred listig. Er legt nagelneue, getestete Kabel, hängt eine neue DSL/USB-Fritz-Box (die kleine rote) hinter den Splitter, murmelt sein Mantra (Alles Lug und Trug, alles Magic!) und siehe - wir haben DSL auf der Leitung. Dann hängt er eine der drei schwarzen Fritz-Boxen dran, die sich
hier mittlerweile stapeln. Geht. Über Fritz USB richtet Fred ein
DSL-Startcenter ein, dass ihm ermöglicht, Daten über die Leitungsanbindung
zu erhalten. (Über den Tipp, dass so etwas möglich ist, wäre
ich 1&1 vor 10 Tagen ziemlich dankbar gewesen.) Mir kommt eine Idee und ich rufe noch mal die Pressestelle von AVM an. Ich schildere Herr Bastert die Situation. Er kann nichts versprechen, aber er will sich mal umhören. Nach zwanzig Minuten klingelt das Telefon. Mit 1&1- Zeitfenstern verglichen, ist das wie ein Sprung durch den Hyperraum. Ein überaus freundlicher, kompetenter Mensch von der AVM-Technik stellt uns Fragen, die Fred beantwortet. Das ist eigentlich alles, was ich vor über 10 Tagen von 1&1 erwartet hätte: dass sich jemand kümmert, analysiert und zu einem Ergebnis kommt. Wir schicken Screenshots zu AVM, die offensichtlich in Lichtgeschwindigkeit ausgewertet werden. Ergebnis: Die Leitung ist zu dünn. Wir werden voraussichtlich noch weiterhin mit Störungen rechnen müssen. Immerhin wissen wir jetzt, woran wir sind. Fred denkt darüber nach, inwieweit man DLS-Web und Voice splitten
kann und über getrennte Hardware arbeiten lässt, um die kleine
Box nicht zu überfordern. Ich schlage vor, die Fritz-Box abends in
einem Hopfen-Baldriansud zu sedieren. Aber Fred ist schon dabei, die
neue Hardware-Lösung zusammenzustellen, indem er eine Zahnspange,
etwas, was noch zappelt und viele Drähte und Dioden mit Kaugummi
auf eine Platine klebt und in ein Goldfischglas versenkt. „Das
muss jetzt bis Vollmond einweichen“, meint er. „Alles
Magic!“
Es geht. Ich arbeite erstmals seit
10 Tagen ungestört, wobei ich
erst mal auf die Internettelefonie verzichte. Ich hänge via VPN
in einer anderen Firma, und telefoniere über meinen Handapparat.
Nach einigen Gesprächen wirkt die Fritz-Box entspannt. Sie leuchtet
stumm, wirkt wie eingelullt. Ich bestrahle sie mit „Weißes
Rauschen“- Frequenzen einer Kassette von Brainmaster Lutz Berger
und bemühe mich, meine eigene Hirnfrequenztätigkeit im Alpha-Zustand
zu bewegen. Alles bleibt ruhig. Ich setze jetzt vorsichtig und langsam
das Headset auf. Meine katzenhaften Bewegungen sind dank langjährigen
ZENGolf-Trainings von konzentrierter Gelassenheit. Jener Zustand, mit
dem ein Dompteur in seiner Zirkusmanege einen neuen Tiger einarbeitet:
Er nimmt ihn nicht zur Kenntnis, ist dabei aber hellwach und entspannter
Aufmerksamkeit, sonst passiert es. Es kommt eine Mail. Der Vertreter der Dame vom 1&1 Beschwerdemanagement, hat endlich auf meine Mail vom Mittwoch geantwortet. Auszug: „Die Störung wurde bereits an die T-Com weitergeleitet. Ein Techniker der T-Com wird sich diesbezüglich mit Ihnen in Verbindung setzen und ggf. einen Vororttermin mit Ihnen vereinbaren.“ Ich dachte, das hätte die technische Hotline schon vor Tagen veranlasst? Was mich noch an dieser Antwort stört, sind die Worte „bereits“ und „ggf“. Ich habe am Montag dem 1. August eine Störung gemeldet. Und zwar, wie wir jetzt wissen, auf Grund eines Problems, dass 1&1 bekannt sein musste. Nicht nur, weil etliche andere Kunden davon betroffen sind, sondern weil ich spätestens in meiner Mail an das Beschwerdemanagement, vor über einer Woche, die Problematik von DSL-Light mit etlichen Textauszügen aus Foren dokumentiert habe. Dazu wurde aber nie Stellung genommen, die Sache wurde ausgesessen.
„Es wäre, aus meiner laienhaften Sicht - schon bei Vertragsabschluss - an Ihnen gewesen, mir mitzuteilen, dass eine DSL-Light Leitung Probleme verursachen kann bzw. dass mit Störungen zu rechnen ist. Hätte ich die Überprüfung bzw. Auswertung der Leitung, wie sie gestern geschah, vor 10 Tagen durch meinen Provider und Vertragspartner (1&1) bekommen, wären mir sehr viel Mühen und Kosten erspart geblieben. Ich kann Ihre Geschäftsbedingungen - trotz Lesebrille - leider nicht entziffern, aber vermutlich haben Sie sich komplett gegen jede Form von Ansprüchen abgesichert. (...) Es ist überaus bedauerlich, dass ein Unternehmen sich über ein bekanntes Phänomen ausschweigt, erst auf Druck gemächlich reagiert, dann wieder unerreichbar ist und eigene Kapazitätsprobleme auf dem Rücken ihrer Kunden austrägt. (...) Bleibt nur noch die Frage, was Sie mir für die letzten zwei Wochen ohne Anbindung gut schreiben werden.“ Tja, das würde mich mal interessieren. Und damit will ich die Akte erst mal schließen. Fitz atmet ruhig, gaaanz ruhig. Seine rechte Diode ist ganz schwer. Seine linke Diode ist auch gaaanz schwer. Alle Dioden leuchten sind ganz ruhig, solange sie gebraucht werden. Fitz arbeitet leicht und beschwingt. Heute Nacht kommt mein Sohn aus
dem Urlaub zurück. Ich muss noch
sehen, wie ich den Pinguin aus seinem Zimmer bekomme. Vielleicht bleibt
er auch drin. Er macht keinen Dreck (benutzt das Klo) und ist auch Langschläfer,
wie mein Sohn. Warum eigentlich nicht? Er könnte meinem Jüngsten
zeigen, wie man eine Frackfliege bindet und ihm evtl. Tanzen beibringen. Den Beiträgen in den Foren entnehme ich, dass auch die, die bei anderen Providern an der Nadel hängen, ihre Probleme haben. Ist es nicht das, wovor uns unsere Eltern immer gewarnt haben? „Du machst dich kaputt und der Dealer macht Kasse!
Ich glaube, es war Dienstag der
16.8.05 , als ich auf die vollkommen bescheuerte und äußerst gefährliche Idee kam, die Pressestelle
bei AVM anzurufen, um mich noch mal für die Unterstützung zu
bedanken. Immerhin war DSL vier Tage problemlos gelaufen. Ich plauderte
mit Herrn Basterts Kollege Herrn Schröder und auf die Frage, wie
es denn so stehe, versuchte ich anzudeuten, dass Fritz schläft und
auch nicht gestört werden sollte. Träge leuchteten die drei
gelben Augen, die mir seine liebsten sind: Power, Internettelefonie und
DSL. Ich schwöre: In dem Moment als ich das Telefonat beendet hatte, war die DSL-Leitung erstmals seit Tagen platt und wie ich dann feststellen musste, auch die ISDN-Leitung mit den Telefonen. Die rote DSL-Testbox, die mir Fred für Notfälle hier gelassen hatte, schwieg solidarisch. Nur das Handy hatte man mir gelassen. Damit jammerte ich meine Notrufe über den Äther. Fred versprach am nächsten Nachmittag zu kommen. Aus einem Reflex heraus wählte ich ohne Erwartung die Nummer der technischen Hotline von 1&1 und es passierte das Unerwartete. Eine freundliche Stimme begrüßte mich sofort, fragte mich nach meinem Anliegen, und dann fing der liebenswürdige, kompetente Kollege (den Namen soll ich nicht nennen) an, sich in meine Problematik einzudenken. Er sagte nicht viel über das, was vorher gelaufen war, ich auch nicht. Er bestätigte mir nur, dass von Seiten 1&1 keine Störungsmeldung bei derT-Com gemeldet war und versprach mir, sofort eine Prüfung durch T-Com bei mir vor Ort zu veranlassen. Dann sagte er mir – erstmals in Anerkennung der DSL-Light Problematik - zu, dass T-Com mir notfalls einen anderen Router mit weniger Eigenwiderstand zur Verfügung stellen würde. Ich bin sprachlos. Einen solchen Kick hatte ich seit meinem Kachelsatori nicht mehr. 1&1 ist purer ZEN: Das NICHTS verwandelt sich in SEIN: (wobei Fortgeschritte
wissen, dass auch NICHTS und SEIN eins ist). Vielleicht der richtige
Moment, Rafael Capurro zu zitieren, der anlässlich in seiner Einführung
zu Prof. Dr. Riuji Endo´s Vortrag „Die Wahrheit des Seins
ist ein Schatten der Wahrheit des ZEN“ meinte: Es mag eine etwas eigenwillige Betrachtung der Situation sein, aber das Nichthandeln von 1&1 als WU WEI interpretiert, („Ohne Tun“ - Ausdruck höchster Weisheit), ist doch eine wesentlich schönere Sicht der Dinge, als meine bisherige Darstellung, dass es sich bei 1&1 um einen Saftladen handelt, der nichts gebacken bekommt, oder? Wie das WU WEI bei 1&1 verinnerlicht wird, zeigt mir die Mail meines Korrespondenzpartners aus dem Beschwerdemanagement in Karlsruhe, vom 18.8.05, der mir am Tag, an dem gar nichts mehr geht, erklärt, dass alle Störungen behoben sind (Auszug): „Ihre Verärgerung über unseren Kundenservice können
wir nachvollziehen. Wir legen größten Wert darauf, dass all
unsere Mitarbeiter auf unsere Produkte ausreichend geschult werden und
in der Lage sind, auftretende Kundenprobleme schnell und kompetent zu
lösen. Trotz unseres intensiven Qualitätsmanagements kam es
in ihrem Fall jedoch zu den von Ihnen geschilderten Komplikationen. Hierfür
bitte ich Sie im Namen unseres Unternehmens um Entschuldigung. Ohne auf irgendeine meiner Fragen einzugehen transponiert diese Mail meine Wirklichkeit (kein Auftrag an und keine Abwicklung durch T-Com) auf elegante Weise in eine 1&1 Illusion KOSMISCHEN MAYABWUSSTSEINS. Eine gute Gelegenheit, die wahre Stille des Geiste zu erfahren und tief durchzuatmen. „Von der T-Com wurde uns mitgeteilt,
dass die Störung welche
die Verbindungsabbrüche verursachte behoben wurden.“ Wenn mich jemand fragen würde, wie die Ägypter die Pyramiden gebaut hätten (Problematik der untragbar schweren Steine), ich würde sagen: es sind Textbausteine der 1& 1 Internet AG, die sich, mit Floskeln verwoben, in einer Raum/Zeit-Krümmung zu Pyramiden geschichtet haben und im Laufe der Zeit zu dem verhärtet sind, was wir heute in Gizeh sehen können. Die Mail des Kollegen ist so aktuell wie der letzte Pharao. Durch einen kurzen Anruf bei der T-Com erfahre ich, dass nichts veranlasst oder geschehen war, seit der Port in der Vorwoche resettet wurde. Dann kam Fred. Ich werde jetzt abkürzen und nur erwähnen, dass Fred mir mehrere Stunden von seinem faszinierenden, früheren Leben als Unternehmer und Trapper in Kanada erzählte, dabei sämtliche Telefonkabel im Raum neu verlegte, alle Splitter, Boxen und sonstigen Geräte austauschte. Trotzdem blieb DSL mausetot. Aber es gelang ihm, die ISDN-Leitung zu beleben und die DFÜ-Einwahl neu einzurichten. Am nächsten Morgen war alles megamausetot. Ich sprach gerade mobil
mit meiner T-Com-Connection, um zu fragen, was das nun wieder soll, als
plötzlich das Telefon wieder ging und mich ein Kollege von der T-Com
Störungsstelle anrief, der "nur fragen wollte, ob irgendetwas
geht". Und wie! Fritz erleuchtete in seinem morgendlichen DSL-Satori. Es wurde ein schöner Morgen. Fritz leuchtete. Er schien mir verziehen
zu haben. Dafür ging später das Telefon nicht mehr, wie immer,
wenn T-Com den Port resettet. Das war dann aber nur ein paar Stunden
und hat mich überhaupt nicht mehr aufgeregt. Die unmittelbare Erfahrung des Seins umfängt mich mit einer Art glitzernder Stille. Die Schönheit des Universums, die Vollkommenheit der Schöpfung und die Unvollkommenheit von Hotlines und dem ganzen modernen Kram - es ist ALLES EINS oder besser " ALLES LUG und TRUG", wie Fred sagt. Vielleicht war das noch nicht das Ende der Geschichte, aber mir reicht es; ich will an die Luft. Was sich in Freds Goldfischglas verbirgt, dass ich erst nach Vollmond öffnen darf, was das alles mit Golf zu tun hat und warum der Spicy-Putter wie eine DSL-Routerbox aussieht - das alles erfahren wir veillecht in einer nächsten Folge unserer Serie: Der Rächer vom Schreckenstein. Nachtrag: |